«Pièces à problèmes» Robert Dawson & Richard Slee: Genf bis 09.01.2022

Beide Künstler, Robert Dawson und Richard Slee betrachten die Gegenwart mit einem exzentrischen Blick. Auch wenn ihre keramischen Ausdrucksweisen sehr unterschiedlich sind, stellen die beiden Künstler unablässig Alltägliches infrage, zweifeln Offensichtliches an und stellen Konventionen auf den Kopf. Schon lange schöpfen sie ihre Inspiration aus der Geschichte der Keramik und der angewandten Kunst, ohne dabei je in Nostalgie oder Ästhetizismus zu verfallen. Beide arbeiten mit veränderten Motiven und/oder bearbeiteten Objets trouvés, zusätzlich ist Robert Dawson für diese Ausstellung in die Aiana – Sammlung und in das Museumsgebäude eingetaucht.

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Robert Dawson Wandstücke und Richard Lee „Swans“ 2019, glasierte Keramik und Latex | Foto: courtesy Richard Slee & Hales Gallery, London and New York

 

Warum schwierige Stücke ?

Sehen sich Robert Dawson und Richard Slee als Keramiker oder als Künstler ? Auf diese Frage entgegnet Richard Slee, dass er im Laufe seiner Karriere der Reihe nach Töpfer, Studio potter, Keramiker oder auch Keramikkünstler gewesen sei und er am Ende wohl doch als Künstler enden könnte. Robert Dawson antwortet, dass er seine Tage damit verbringe, mit den unterschiedlichsten Maschinen und Materialien zu spielen, und dass er sich deswegen weder als Künstler noch als Keramiker sehe.

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Richard Slee „Nose bouquet“, glasierte Keramik, Glas, Plastiknasen und Schnäbel, Hammer-Griffe aus Holz | Foto: courtesy Richard Slee & Hales Gallery, London and New York

Für Slee ist die Frage im Grunde ohnehin irrelevant, die Keramik sieht er mehr als eine Disziplin denn als eine Kunst an sich. Dawson seinerseits ist unglücklich mit dem Begriff des Keramikers : «Wer will sich schon anhand eines Materials definieren ?» Er fügt an : «Eigentlich ist jeder Mensch ein Künstler». Klar ist, dass beide jegliche unverrückbare Kategorisierung ablehnen.«Das Einzige, was ich verehren könnte, wäre das Ungewisse an sich – das gilt auch für die Instabilität, die Veränderung und unsere Unsicherheit. Wenn wir das alles nicht hätten, wenn wir nicht so verletzlich wären, wäre das Leben nicht lebenswert» (Robert Dawson).

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Robert Dawson „Neogothic“, 2018, Lehm und Pigmente auf Leinwand | Foto: Robert Dawson

In ihrer gemeinsamen Ausstellung stellen uns die beiden Künstler eine offene Frage. Der Titel, den die beiden Künstler für die Ausstellung gewählt haben, hat seinen Ursprung im Depot des Musée Ariana : «Pièces à problèmes» ist die Bezeichnung eines Rollregals, auf dem sich Sammlungsobjekte befinden, deren Zuordnung Probleme bereitet. Gemeinsam ist diesen Stücken, dass deren ursprüngliche Zuordnung mit Sicherheit nicht korrekt ist, sie aber auch noch keine neue Identität gefunden haben. Nichtsdestotrotz handelt es sich um ein lebendiges Ensemble, dessen Zusammensetzung sich regelmässig verändert. Durch die laufende Forschung und die Besuche von internationalen Expertinnen und Experten, insbesondere im Rahmen von Ausstellungsvorbereitungen, können einige Stücke nach und nach genauer in der Keramikgeschichte verortet werden. Der Titel, den Robert Dawson und Richard Slee inspiriert von diesem Regal gewählt haben, lässt unmittelbar aufhorchen und konfrontiert das Publikum mit den Fragen, die sich die beiden Künstler ständig stellen : Ihr forschender Blick fällt auf alles, was gewiss zu sein scheint, auf die Welt und auf die Kunst im Besonderen. (Pressetext)

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MUSEE ARIANA
Avenue de la Paix 10
CH – 1202 Genève

Öffnungszeiten: täglich 10h à 18h, montags geschlossen