OTTO PRUTSCHER – Allgestalter der Wiener Moderne: Wien vom 20.11. 2019 bis 17.05.2020

Die Ausstellung des MAK soll Otto Prutscher (1880–1949) siebzig Jahre nach seinem Tod in seinen mannigfachen Rollen präsentieren, die er für die Entwicklung der Wiener Moderne spielte. Prutscher war entwerfender Architekt und Designer in allen Materialbereichen der angewandten Kunst, Ausstellungsgestalter, Lehrer und Mitglied aller wichtigen Reformkunstbewegungen, von der Secession bis zur Wiener Werkstätte und dem Werkbund.

Ab den 1980er Jahren hat Otto Prutscher – gemeinsam mit den Leistungen der ProtagonistInnen des „Wiener Stils“ um 1900 – neue Anerkennung erfahren. Ähnlich wie bei Josef Hoffmann, zu dessen Schaffen die ersten umfangreichen Publikationen nach dem Zweiten Weltkrieg in Italien erschienen, war es bei Otto Prutscher die italienische Architekturzeitschrift Metamorfosi, die 1994 „Unveröffentlichtes aus Archiven in Como und Wien“ publizierte.

Zehn Jahre jünger als Josef Hoffmann und Adolf Loos, zählte Otto Prutscher zu den ersten SchülerInnen der Wiener Kunstgewerbeschule. Diese Generation profitierte von der Reform des Unterrichts unter der Direktion Felician von Myrbachs und von jungen Professoren wie Josef Hoffmann und Koloman Moser. Materialbeherrschung eignete sich Prutscher in der Kunsttischlerei seines Vaters Johann Prutscher sowie im Zuge einer Maurerlehre und einer Zimmermannspraxis an, die er in den vorlesungsfreien Sommermonaten absolvierte.

Nach der Aufnahme an der Wiener Kunstgewerbeschule 1897 belegte Prutscher einen Kurs für ornamentales Zeichnen bei Willibald Schulmeister und später zwei Semester in Josef Hoffmanns Fachschule für Architektur. Der Unterricht beim secessionistischen Architekten Hoffmann und beim vormodernen Maler Franz Matsch hinterließ Spuren: Prutschers Entwürfe und ausgeführte Werke weisen einerseits eine hohe zeichnerische Qualität auf, andererseits orientieren sie sich an den jeweils aktuellen Tendenzen der Architektur. Ab 1907 wurde Prutscher für die Wiener Werkstätte aktiv und unterrichtete ab 1909 wie Hoffmann an der Kunstgewerbeschule.

Prutschers heute bekanntes Werk umfasst u. a. über 50 Bauwerke (Villen, Wohnhäuser, Portale), knapp 50 Ausstellungen, die er künstlerisch und organisatorisch gestaltete oder mitgestaltete, ca. 170 Einrichtungen, über 300 Entwürfe von Einrichtungen sowie über 200 Einzelmöbel und Garnituren. Prutschers Designs wurden von mehr als 200 Unternehmen umgesetzt, allen voran von der Wiener Werkstätte und wichtigen Herstellerbetrieben wie Backhausen, Klinkosch, Augarten, Meyr’s Neffe, Schappel, Melzer & Neuhardt oder auch von den Deutschen Werkstätten in Dresden. Für Thonet, Joh. Loetz Witwe und Wienerberger war er künstlerischer Berater.

Zwanzig Jahre nach der ersten monografischen Ausstellung zu seinem Werk (Otto Prutscher. 1880–1949. Architektur, Interieur, Design, Hochschule für angewandte Kunst, Wien 1997) zeigt die umfassende Personale Otto Prutscher als  Allgestalter der Wiener Moderne.
MAK – Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5
1010 Wien

Öffnungszeiten: Di 10:00–22:00 Uhr | Mi–So 10:00–18:00 Uhr |Mo geschlossen

Zur Ausstellung erscheint eine umfassende Publikation, die eine Revision von Pruschers Werk als Schrittmacher der Wiener Moderne unternimmt – über zwanzig Jahre nach der letzten Ausstellung in Wien und siebzig Jahre nach seinem Tod.

Otto Pruscher – Allgestalter der Wiener Moderne, Hrsg. Christoph Thun-Hohenstein/ Rainald Franz, arnoldsche art Publishers

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Otto Prutscher, Stengelgläser, Wien, um 1907 Ausführung: Meyr’s Neffe, Adolf (Adolfov, CZ), für E. Bakalowitz Söhne | Glasüberfang, geschnitten | © Moravská Galerie, Brno

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