Willkommen im Bunt – Tita do Rego Silva: Hamburg vom 13.06. bis 06.07.2019

Die Holzschnitte der brasilianischen Künstlerin Tita do Rêgo Silva sind in ihrer farbfröhlichen Leichtigkeit kaum zu überbieten. Zierliche, gehörnte Wesen bevölkern die Flächen in einem beschwingten Rhythmus. Ihre Begleiter sind tierhafte Fantasieschöpfungen. Sie sind umgeben von einer filigran stilisierte Flora. Sie fliegen, spazieren, sitzen beieinander, rudern, tanzen und schauen dich an. Ja dich! Lässig, beiläufig, direkt und bunt. Ich spreche von Bildern, doch ich erkenne Geschichten, höre Lachen, höre Musik.

Erst nach 1988, nach ihrer Ankunft in Hamburg, wo sie für ein Jahr bleiben möchte, besinnt sich Tita do Rêgo Silva auf die bunte, lebendige Folklore ihrer Heimat Brasilien. Bis dahin glaubt sie eher den künstlerischen Idealen westlicher Prägung – so, wie es ihr an der Kunsthochschule in Brasilia vermittelt wurde. „Ich habe in Brasilia studiert, aber es hätte genauso gut New York sein könnten“, sagt die Künstlerin. „Die Professoren interessierten sich nur für das, was gerade en vogue war“. Doch als sie in Deutschland mit der staunenden Frage konfrontiert wird, warum sie als Brasilianerin so akademisch deutsche Holzschnitte mache, erkennt sie die Kostbarkeit der Quellen ihrer eigenen Kultur.

Die Betrachtung von Tita’s Bildern, Büchern, Darstellungen hebt ab in andere Sphären. Das Personal ist entrückt, agiert in einer Parallelwelt zu unserer. Es hat etwas mit Kinderzeit und Paradies, mit tropischem Licht, Flora und Fauna sowie himmlischer Fantasie zu tun. Eine besondere Art von Science Fiction vielleicht? Unabhängig von einem Zeitstrahl, immer gültig und verständlich.

Wie übrigens auch bei der Comic-Figur Asterix, erkennt man die Stimmungslage der Figuren an der Stellung ihrer Hörner, Geweihe, Ohren oder sonstigen Gewächsen auf ihren Köpfen. Die tänzerisch-lässige Körpersprache der grazilen Zweibeiner mit stilisierten Stier, Ziegen- Schafköpfen ist überraschend deutlich. Sie kann sogar, wenn es darauf ankommt, Erotik. Unterstützt durch eine klare, etwas naiv-ironische Mimik geht es allerdings zumeist um den emotionalen Ausdruck von Verbundenheit, Gemeinsamkeit, verspielter Offenheit und Staunen. Schwungvolles Tempo und füllhorngleicher Überfluss sind weitere Charakteristika der Bildwelten von Tita do Rêgo Silva.

Ihre technische Präferenz liegt seit vielen Jahren auf dem Holzschnitt. Dieses Verfahren erscheint einfach, aber die Gesamtkonzeption der Bilder, Serien und Bücher, die Tita vorschweben erfordern eine unglaubliche Disziplin bei der Realisierung. Und viel physische Kraft. Und ausserordentliches künstlerisches Vermögen. Viele Skizzen und Zeichnungen gehen einer Bildidee voraus. Tita versammelt diese Entwürfe mit An-, Fehl- und Probedrucken in collagierten Jahrbüchern – allesamt Unikate, die an sich schon einen wahren Schatz darstellen.

Aus den Zeichnungen entwickelt sie Kompositionen und Serien, die spiegelverkehrt auf Holzplatten – Druckstöcke – übertragen werden. Die Konturen der Motive sowie die Stellen, die weiß bleiben sollen, werden beschnitten – die erhabenen Flächen werden gedruckt. Der Holzdruck funktioniert als Hochdruck, wie ein Stempel. Man kann nun für jede Farbe eine Platte, einen Druckstock, schneiden und nacheinander mit diesen Platten drucken. Mit dem Vorteil, das die Auflage der Drucke unbeschränkt ist.

Tita bevorzugt jedoch die Technik der verlorenen Form, wobei alle Farben von einer Platte gedruckt werden. Entsprechend ihren Entwürfen und Vorzeichnungen schneidet sie in die Holztafel, druckt die hellste Farbe, schneidet weiter, druckt die nächst dunklere Farbe und fährt so fort bis der gesamte Druck fertig ist, in einer von vornherein bestimmten Auflage. Erst die hellen Farbe, dunkler werdend bis zum Schwarz – was teilweise auch subtile Farbmischungen und Strukturen bewirkt, die jeden Druck, jedes Buch zum Unikat machen.

© Schnuppe von Gwinner

Kunstforum der GEDOK Hamburg
Koppel 66
20099 Hamburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 13 bis 18, Samstag von 13 bis 16, Sonntag von 11 bis 16 Uhr

Mittwoch, 3.Juli 2019 um 18.30 Video Vorführung und Gespräch mit der Künstlerin

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