Isabelle de Borchgrave – Africa inside me: Brüssel bis zum 20.12.2018

Als ich vor zwei Wochen in Belgien war besuchte ich auch die aktuelle Ausstellung der Textildesignerin und Papierkünstlerin Isabelle de Borchgrave in ihrem Galerie-Atelier-Haus in Brüssel. Nur dieses Erlebnis allein hätte schon die Reise gerechtfertigt!

Der Zugang führt durch eine dunkle Unterführung durch einen eher unattraktiven  Zweckbau in einen Hinterhof, in dem das lichtdurchflutete moderne Haus der Familie Borchgrave steht. Große Fenster vom Boden bis zur Decke erlauben Durchblicke in alle Richtungen, sodass der übersichtliche, schön gepflegte Gartenhof mit wohlüberlegt angelegten Beeten, Fischteichen, Gartenmöbeln und Kunstwerken sowie einigen wenigen dramatischen alten Bäumen quasi mit „wohnt“. Zu ebener Erde lädt die weitläufige Galerie zum verweilen ein.

Atmosphärisch wird sie aktuell von den Bildern und Objekten der Ausstellung „Africa inside me“ – eindeutig von afrikanischer Kunst beeinflussten, stark farbigen Bilder der Serie „Pleated“ bestimmt . Starke, überwiegend abstrakte Farb-Kompositionen auf plissiertem – nein, in plissiertem Papiergrund. Die technische Umsetzung ist schon ein Aufreger, lässt die bohrende Frage, wie das denn gemacht sei mit schwingen. Erst nach dem Malen werden die Bilder plissiert. Und es gibt auch charmante Möbel, aus Bronce gegossene Tischchen, Hocker und Sessel im Plissee-Look. Isabelle de Borchgrave ist eine Künstlerin, aber auch eine fantasievolle und experimentierfreudige Kreative, eine Dekorateurin, Stylistin, Designerin.

Wir dürfen auch ihre privaten Wohnräume durchwandern, ihre inspirierende Kraft dort auf ganz besondere Weise erfahren. Eine Sammlerin, Arrangeurin kombiniert hier geschmackvoll und weltgewandt – breitet beeindruckende Kultiviertheit aus, die weit über einen ökonomischen Reichtum hinaus weist. Sicher, ganz ohne Geld lässt sich so etwas nicht darstellen – aber den guten Geschmack, das sensible Erkennen und Kombinieren, das stilsichere Empfinden für die Gleichberechtigung der Künste kann man nicht kaufen. Das muss man in sich tragen.

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Medici Kostüme von Isabelle de Borchgrave; Foto der Ausstellung „pulp Fashion“ im San Francisco Art Museum vom 5.2. bis 12.6.20111 mit einem wunderbaren Katalog

Zum guten Ende erlaubt sie uns noch einen Besuch in ihrem Atelier, auf das man aus luftiger Höhe von einer Galerie unter’m Glasdach in die Tiefe blickt. Große Werktische und angefangene Projekte warten da unten. Oben reihen sich realisierte Projekte als Modelle aus Papier, Pappe und Farbe sowie verbliebene Objekte aneinander und laden wirklich zum staunen ein. Isabelle de Borchgrave hat sich nicht nur mit Textilentwürfen sondern vor allem mit Papierkostümen einen Namen gemacht, die ohne Worte sind, knisternde Illusion, verblüffend im Detail und einfach nur zauberhaft.

Aktuell gibt es eine umfassende Ausstellung dieser Stücke im Frick Art Museum Pittsburgh in den USA: „Fashioning Art from Paper“ – die im kommenden Jahr noch in andere US-amerikanische Museen wandert. Sie zeigt Beispiele aus allen großen Serien der Künstlerin, beginnend mit ihrer Erforschung von 300 Jahre Modegeschichte in den für „Papiers à la Mode“ entstandenen Arbeiten. Die Werke ihrer Medici-Serie sind von italienischen Kostümen der Renaissance inspiriert, die in Gemälden alter Meister dargestellt sind. Ihre nächste Serie, „Die Welt von Mariano Fortuny,“ erforschte die Arbeit des ikonoklastischen spanischen Modedesigners, der in Venedig berühmt wurde, und ihre neueste Serie, „Les Ballet Russes“, zeigt fantastische modernistische Kostüme, die von Künstlern wie Picasso, Bakst und Matisse entworfen wurden.

© Schnuppe von Gwinner

Galerie & Atelier Isabelle de Borchgrave