Nevin Aladağ – Musikzimmer: Dresden vom 15.03. bis 15.07.2018

Nevin Aladağ, Raise the Roof, 2017 © Trevor Good

Ausstellung der Preisträgerin des 11. Ernst-Rietschel -Preises für Skulptur 2018 im Mosaiksaal des Dresdener Albertinums.

Nevin Aladağ (* 1972 in Van/ Türkei, lebt und arbeitet in Berlin) erhält den 11. Ernst-Rietschel-Preis für Skulptur. Der Preis wird in diesem Jahr erstmals vom Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD), gemeinsam mit der Antonius Jugend- und Kulturförderung e.V. vergeben, die das Preisgeld stiftete. Über die Vergabe entschied eine Fachjury, die sich aus der Direktorin des Albertinum Hilke Wagner, Kirsty Bell, freie Autorin für die Kunstzeitschrift frieze, dem Direktor des Bielefelder Kunstvereins Thomas Thiel sowie dem Direktor des Lenbachhaus München Matthias Mühling zusammensetzte.

Nevin Aladağ steht mit ihrer zeitbasierten und performativen Praxis in der Tradition eines erweiterten Skulpturenbegriffs. In ihren Arbeiten spielen die Fragen nach Herkunft, Selbst- und Fremdwahrnehmung ebenso wie die Musik als Ausdrucksträger kultureller Identität eine große Rolle. In vielen ihrer Werke erzeugt sie mit skulptural-performativen Mitteln Töne und Klänge, die sie für rhythmische Kompositionen verwendet.

Für die Ausstellung im Mosaiksaal des Albertinum zu sehen ist, hat die Künstlerin zwei Werke ausgewählt: „Musikzimmer“ und „Raise The Roof“. In den skulpturalen Objekten des „Musikzimmers“ verbinden sich in feinsinniger Weise Form und Funktion. Aus altem Mobiliar entstanden in Zusammenarbeit mit Instrumentenbauern Musikinstrumente, die sowohl in ihrer wohnlichen als auch künstlerischen Funktion als außergewöhnliche Klangkörper nutzbar sind – und während der Ausstellung zu bestimmten Zeiten auch gespielt werden. Durch die auf ihm erzeugte Musik erfährt das Möbelstück eine Transformation und verwandelt sich in einen unerwartet poetischen Klangkörper.

Die zweite Arbeit umfasst sieben gerahmte, aufgesockelte und im Raum stehende Kupferplatten. Auf der Biennale in Venedig 2017 führte Nevin Aladağ die Performance „Raise The Roof“ auf. Sieben Tänzerinnen hinterließen mit den Stiletto-Absätzen ihrer Schuhe Abdrücke auf Kupferplatten, indem sie zu verschiedenen Songs tanzten, die für das Publikum nicht hörbar waren – die Titel der Lieder waren jedoch auf den T-Shirts der Tänzerinnen zu lesen, darunter z.B. „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode. Zu hören war allein der rhythmische Klang der Stöckelschuhe. Die Abdrücke der Absätze und die Spuren des Tanzes haben sich als ornamentales Motiv in das Metall eingegraben – ohne den Hinweis auf ihr akustisch begleitetes Entstehen führen die Reliefplatten nun jedoch ein skulpturales Eigenleben.

Der Ernst-Rietschel-Preis für Skulptur

Mit dem Preis, der seit 1991 besteht und alle zwei Jahre vergeben wird, werden Künstler ausgezeichnet, die auf bildhauerische Tätigkeiten spezialisiert sind. Ausrichter war bis 2013 der Ernst-Rietschel-Kulturring e.V. in Pulsnitz in Erinnerung an den dort geborenen Bildhauer Ernst Rietschel (1804–1861). Durch das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar oder das Luther-Denkmal auf dem Dresdner Neumarkt gehört Rietschel zu einem der bedeutendsten deutschen Bildhauer des Spätklassizismus, der mit seinen Skulpturen das Bild Deutschlands als Land der Dichter und Denker entscheidend mitprägte. Frühere Preisträger des in seiner Tradition verliehenen Preises waren unter anderem Johannes Wald (2013), Axel Anklam (2010), Emil Cimiotti (2006) und Werner Stötzer (1994). Mit der Anbindung an das Albertinum erhält der Preis eine neue Ausrichtung, die einen erweiterten Skulpturbegriff zugrunde legt.

Albertinum, Mosaiksaal,  Tzschirnerpl. 2, 01067 Dresden

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag edition metzel (München 2018):
NEVIN ALADAĞ – MUSIKZIMMER
11. ERNST-RIETSCHEL-PREIS FUR SKULPTUR 2018
hrsg. von Astrid Nielsen und Hilke Wagner
64 S., 35 Abbildungen in Farbe, deutsch/ englisch
ISBN 978-3-88960-173-5
9,90 EUR (Museumsausgabe).

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