SCHMUCK-Künstler mit Herbert-Hofmann-Preisen geehrt: IHM 2018 in München

Ausgezeichnet mit dem Herbert-Hofmann-Preis 2018. Lin Cheung, Nonplus, Brosche aus der Serie "Delayed Reactions - Confused" 2017 carved Lapis Lazuli, Gold |Foto: Lin Cheung

Die Jury hat entschieden: Die Gewinner der Herbert-Hofmann-Preise 2018 sind Lin Cheung, Julia Maria Künnap und Gernot Leibold. Verliehen wurden die Auszeichnungen an drei Beiträge der Sonderschau SCHMUCK am Samstag, 10. März, auf der Internationalen Handwerksmesse. Noch bis Dienstag, 13. März, sind diese Werke und die von 62 weiteren Schmuckkünstlern und -gestaltern im Rahmen der Sonderschau SCHMUCK in Halle B1 auf dem Messegelände München zu sehen.

Er gehört zu den begehrtesten internationalen Auszeichnungen im Bereich des Autorenschmucks: der Herbert-Hofmann-Preis. Entsprechend groß war der Andrang am Samstag, 10. März, rund um die Bühne in Halle B1 auf dem Messegelände München. Denn zur SCHMUCK und besonders zur feierlichen Verleihung der Herbert-Hofmann-Preise kommen Schmuckbegeisterte aus aller Welt in München zusammen.

„Als Meisterwerk des Steinschliffs“ bezeichnete die Jury die grüne Brosche „Why Is It All Overgrowing“ aus Nephrit und Gold von Julia Maria Künnap, eine der diesjährigen Herbert-Hofmann-Preisträgerinnen. Die Estin, möchte „in jeder neuen Arbeit einen noch präziseren Steinschnitt, einen noch transparenteren Schliff, ein noch dünneres Material und klareres Konzept erreichen. Es wird für sie zu einer Obession“, so die Jury in ihrer Begründung. Obwohl die Titel ihrer Arbeiten zusammen ein Gedicht bilden, sei jede ein eigenständiges Schmuckstück, egal ob es wie ein breiter, blauer Pinselstrich erscheint, oder ein dahinschmelzender Buchstabe.

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Ausgezeichnet mit dem Herbert-Hofmann-Preis 2018. Brosche von Gernot Leibold. Foto Gernot Leibold

Überzeugt zeigte sich die Jury auch von den quadratischen Broschen von Gernot Leibold aus Deutschland. Sie seien überraschend in der Kombination ihrer Materialien, so die Begründung für die Auszeichnung mit einem der Herbert-Hofmann-Preise. Die farbig schräg gestellten Seitenränder seines Werks „Schwarze Struktur Nr. 6“ aus Ebenholz, Kunstoffen, Silber und Stahl wirkten wie eine sich öffnende Schachtel, in der sich eine geheimnisvolle Struktur offenbart. Ebenholz sei für Leibold schon lange ein beliebtes Arbeitsmaterial, besonders reizvoll seien für ihn die Brucheigenschaften dieses Holzes, die nebeneinander gelegt eine reizvolle Struktur oder Landschaft ergeben und zusammen mit der Farbigkeit des umschließenden Kunststoffs eine spannende Beziehung eingehen.

„Delayed Reaction Series“ ist der Titel der in Stein geschnittenen Broschen von Lin Cheung aus Großbritannien, die ebenfalls mit einem Herbert-Hofmann-Preis ausgezeichnet wurde. Sie reflektierten Lin Cheungs gemischte Gefühle von der Welt, die sie umgibt. Die Brosche „Non Plus“ beschreibe die Ereignisse seit dem EU-Referendum und der andauernden Debatte über Großbritanniens Zukunft in Beziehung zu Europa, so die Jury. Andere Broschen dieser Serie seien Anspielungen auf politische und soziale Veränderung und damit verbundene Gefühle. „Anstecker sind eigentlich für den Moment gedacht, gerade einmal so lange zu gebrauchen, um eine Nachricht zu vermitteln. Sie in Stein zu schneiden ist genau das Gegenteil: Es geht langsam, ist unberechenbar und oft begrenzt. Aber diese Einschränkungen sind ein guter Test für das, was bleibt, wenn sich der aufgewirbelte Staub wieder gesetzt hat“, heißt es in der Begründung. Die Arbeiten von Lin Cheung seien ein politisches Statement, „beispielhaft für Fragen unserer Zeit und dem Verhältnis zu deren Werten“.

Die Herbert-Hofmann-Preise werden jedes Jahr an drei Beiträge der Sonderschau SCHMUCK auf der Internationalen Handwerksmesse verliehen. Sie erinnern an Dr. Herbert Hofmann, der die Sonderschau SCHMUCK 1959 ins Leben gerufen hat. Sie ist organisiert als Wettbewerb, für den sich Schmuckgestalter aus aller Welt bewerben – mehr als 900 waren es diesmal. Ausgewählt werden die Exponate von einem jährlich wechselnden Kurator. Die Auswahl für die SCHMUCK 2018 übernahm Hans Stofer, Leiter der Schmuckklasse an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Insgesamt werden auf der Sonderschau, die noch bis Dienstag, 13. März, auf der Internationalen Handwerksmesse in München zu sehen ist, Beiträge von 65 Künstlerinnen und Künstlern aus 21 Ländern gezeigt.

Otto Künzli, der als „Klassiker der Moderne“ auf der SCHMUCK mit einer Retrospektive geehrt wird, erhielt am Sonntag den Bayerischen Staatspreis für sein Lebenswerk. (Pressetext)

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Otto Künzli, OK Komainu II, Brosche. Foto: © Otto Künzli und VG Bild-Kunst
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