BKV-Preis 2018 für Junges Kunsthandwerk: München, IHM am 10.03.2018

Karen Roy Andersson: Halsschmuck "Swans" 2016, recycelter Kunststoff, Stahl, Silber, Farbe, Faden; Broschen "Krös", "Sastrugi" & “Shale", 2017, recycelter Kunststoff, Stahl, Faden | Foto: Karina Hagemann

Der 2006 erstmals ausgelobte BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk findet in diesem Jahr zum zwölften Mal statt. Aus insgesamt 88 Einreichungen, die in diesem Jahr aus 17 Ländern eingingen, ermittelte die Jury drei Preisträger, zwei Belobigungen und 15 Finalisten:

Den ersten Preis erhält: Karin Roy Andersson, Schweden, Göteborg

Jurybegründung: Geradezu magisch lenken die betörend schönen Schmuckstücke von Karen Roy Andersson die Blicke auf sich. Die Gebilde aus sich überlappenden Schuppen erinnern an Vogelschwingen, Fisch- oder Echsenhaut, an Baumborken oder Schieferlagen. Wie Schilde wölben sich Broschen und Kettenglieder nach aussen. Schützt sich nicht das Schuppentier, indem es sich in seinem Schuppenpanzer zusammenrollt? Werden tierische Schuppen nicht in vielen Kulturen als Talismane verwendet? Hatte Schmuck nicht auch einmal die Funktion, den Träger zu behüten und zu stärken? Anderssons Broschen und Ketten beflügeln die Fantasie. Sie sind überraschend leicht. Ihr Material gewinnt die Künstlerin u.a. aus recycelten Verpackungen und Alltagsgegenständen aus Plastik. Die Sublimierung von Abfall macht Anderssons Serie zu einem nachdenklich zeitgenössischen beitrag. Handwerklich beeindrucken die Stücke durch saubere Fadenheftung der subtil bearbeiteten Schuppen und die elegant schlichte Anbringung der Metallverschlüsse.

Der BKV-Preis 2018 ist dotiert mit 3000 € sowie mit einer Publikation im Katalog der Preisträger, der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Darüber hinaus beinhaltet der Preis eine drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

2. Preis_Anne_Deuter
Anne Deuter, Künstlerbücher „Verträumte Erinnerungen 1-4, 2015, Neobond auf Passepartoutkarton, Textdruck in Polymerklischees, Papierprägungen, koptische Bindung; „32T ….60T“, 2017, Leineneinband, Textdruck in Nyloklischee; „Halbschatten“ 2015/2016, Criss-Cross-Bindung, Magnetbanderole, Prägung auf gefärbtem und geöltem Papier, Text in Schreibmaschine, Kunstleder-Cover | Foto: Karina Hagemann

Den zweiten Preis erhält: Anne Deuter, Deutschland, Leipzig

Jurybegründung: Anne Deuters Künstlerbücher berühren durch ihre konzentrierte, konzeptionelle Fügung. Eigene, knappe Texte über selbstbefindliche Wetterbeobachtungen oder Kindheitserinnerungen finden ihre Entsprechung in einer lakonischen Typographie, speziellen Papieren, graphischen Blindprägungen, raffinierten Faltungen, ausgefallenen Bindungen, schützenden Klappen, Banderolen oder Schubern. Jedes der handgroßen Kleinodien ist ein intimes, nach aussen verschlossenes, poetisches Gesamtkunstwerk, das selbst im Aufblättern nicht jedes Geheimnis preisgibt.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit 2000 € sowie mit einer Publikation im Katalog der Preisträger, der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Darüber hinaus beinhaltet der Preis eine drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

3. Preis_Jiye_Yun
Jiye Yun: Halsschmuck „Room with Staircase“ und Broschen „Tiles – White“, „Tiles – Brown“, „Tiles – Red“, 2017, Holz, Kunststoff, Kitt, Aluminiumrohr, Zement, Edelstahldraht, Schnur | Foto: Karina Hagemann

Den dritten Preis erhält: Jiye Yun, Deutschland, München

Jurybegründung: Erfrischend frech wirken die kleinen Architektur-Capriccios von Jiye Yun. Die im wesentlichen aus Holz, Kunststoff und Kitt gefertigten Broschen beziehen sich spielerisch auf die Allgegenwart gefliester Flächen in Hausfluren, auf Treppen, in Küchen, Bädern und Kellern. Es reicht ein wenige Zentimeter messendes  Bildkürzel um beim Betrachter einen Film alltäglicher Kachel-Räume ablaufen zu lassen. Der Kettenanhänger „Raum mit Treppe“ führt das Thema humoristisch in eine völlig absurde räumliche Situation, die farbig intelligent pointiert wird.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit 1000 € sowie mit einer Publikation im Katalog der Preisträger, der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint. Darüber hinaus beinhaltet der Preis eine drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbeverein.

Belobigung_Gahee_Song
Gahee Song: Räuchergefässe „Bonewhale“, 2016, Kupfer, Messing, Gingko, getrieben, geschmiedet, wachsmodelliert; „Parted Trilobites Hair“, 2017, Kupfer, künstliches Tierhaar, getrieben, geschmiedet | Foto: Karina Hagemann

Eine Belobigung erhält: Gahee Song, Korea, Seoul

Jurybegründung: Die meisterlich aus Kupfer geschmiedeten Räuchergefässe überzeugen durch perfekte Oberflächen, eine ausgetüftelte Mechanik zum Einbringen des Räucherguts, fein detaillierte Rauchauslässe und last not least durch die liebevoll humorigen Tierformen. Barocken Tischaufsätzen ähnlich verschmelzen die Bilder des Tierreichs zu fantastischen Grotesken. Wer hat schon mal einen fossilen Gliederfüssler mit streng gescheitelter Haartracht gesehen, an dessen Rückgrat sich auf gesamter Länge Rauch kräuselt?

Diese Auszeichnung ist dotiert mit einer Publikation im Katalog der Preisträger, der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint.

Belobigung_Sophie_Wolf
Sophie Wolf: Objekt „Spuren-Element 5“, 2017, Steinzeugmasse, aufgebaut aus vielen Einzelelementen | Foto: Karina Hagemann

Eine Belobigung erhält: Sophie Wolf, Deutschland, Höhr-Grenzhausen

Jurybegründung: die Keramikerin Sophie Wolf formt mit ihrem Händen tausende von geschwungenen Einzelelementen, die sie zu Streifen und Flächen fügt, aus denen sie verwinkelte oder ineinandergreifende, teils schwebende Architekturen schafft. Die raue, wellige Struktur lässt in einigen Partien eine lichtdurchlässige Bauweise zu. Teilweise entsteht der Eindruck von Schriftzeichen oder Geflechten. Dabei evozieren die Gebilde Geschichten von Bergruinen, Lehmarchitekturen des Sahel oder nomadischen Gehegen. Die Lebendigkeit der Serie „Spuren-Elemente“ verdankt sich nicht zuletzt der sichtbaren Gegenwart der künstlerisch formenden Hände.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit einer Publikation im Katalog der Preisträger, der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbevereins erscheint.

Ausstellung aller Arbeiten:
7. bis 13. März 2018 auf der IHM, Halle B 1, Stand 441

und vom 20. April bis 12. Mai 2018 in der

Galerie Bayerischer Kunstgewerbeverein e.V.
Pacellistraße 6-8
80333 München

Für die verantwortungsvolle Tätigkeit und ihr Engagement danktder BKV der diesjährigen Jury:
Jürgen Eickhoff, Schmuckmacher und Galerist
Dr. Sven Hauschke, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Kurator
Beate List, Grafikerin und Illustratorin
Ira Mazzoni, Journalistin und Autorin
Beate Oehmann, Künstlerin
Cornelius Réer, Glasmacher
Elisabeth Schreiberhuber, Kostümbildnerin und Malerin

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