Paris: Promenade zu Hotspots von Handwerkskunst und Design im Marais

Vielversprechender Hinterhof der rue Chapon 19-21 im Marais: Galerie Armel Soyer und Lindell

Übrigens leistet sich auch die Stadt Paris selbst einen „Inkubator“ für das gestaltende Handwerk: Les Ateliers de Paris. Hier werden kreative Selbständige und Kleinstunternehmer in allen Belangen beraten, unterstützt und begleitet. Eine Galerie am gleichen Ort zeigt wechselnde Ausstellungen, aktuell noch bis zum 10. Juni 2017 unter dem Motto „Hyper-nature“ Werke, die aus der Auseinandersetzung mit der Natur inspiriert wurden. Für die einen ist es das natürliche Material, dessen Optionen und Strukturen im Fokus stehen, für die anderen ist es das Abbild als Vorbild, als vegetale Formen und organische Dekore. Die Unzertrennlichkeit der Beziehung von Mensch und  Natur offenbart sich hier in der gestalterischen Auseinandersetzung.

Für alle, die es nicht demnächst nach Paris schaffen um selbst zu schauen habe ich alle Aussteller verlinkt – ich garantiere für inspirierende Entdeckungen via www:

Pascal Oudet, Délicate Distorsion, Mona Oren, Sophie Gallardo, 110 par minute /Atelier d’Offard, Dimitry Hlinka, Claire Boucl, Alexis Tricoire, Hélène Lathoumétie, Bertrand Lacourt, Kaori Kurihara, Marianne Anselin, Andréas Kanellopoulos, Ken Okada, Aurélie Abadie et Samuel Sauques, Thierry Vendome, Marik Korus, Mariane Léger und Criska.

Wenn man durch das Marais spaziert fällt man nur so über interessante Galerien und Grossisten für Schmuck- und Modeaccessoires. Man sollte unbedingt auch den Mut haben die Hinterhöfe zu inspizieren, denn dort verbergen sich oft die wahren Schätze, z.B. in der rue Chapon die Galerie Armel Soyer mit ihrem anspruchsvollen Programm zeitgenössischer Möbel- und Objektkunst, die sie auch auf den einschlägigen Messen, wie Mailand, Basel und Miami, präsentiert. Die aktuelle Ausstellung „FEU SACRÉ“ stellt die dramatischen Lichtobjekte des Australiers Christopher Boots den bildgewaltigen Tapisserien Gilles Pernets aus der Serie Academia gegenüber. Unwillkürlich fühlt man sich wie in einer Theaterkulisse, in der diese Werke eine eindrucksvolle Hauptrolle spielen.

Die Lichtobjekte von Christopher Boots inszenieren Bergkristalle und Lapislazuli, hinterleuchtet von LEDs, als flammende geometrischen Grundformen. In übersteigerten Gebärden agiert das Personal auf den Tapisserien, die Titel wie „schlafende Soldaten“, „Göttlichkeit“ tragen. Inspiriert von der Malerei der Renaissance finden die Entwürfe ihren Weg über Fotografien schliesslich in das gewebte Bild, wollen als mythische Fortführung der Geschichte in die Zukunft gelesen werden. Armel Soyer möchte die zeitgenössische Gestaltung wieder mit den Handwerkskünsten versöhnt wissen, mit dem Reichtum der natürlichen Werkstoffe und mit der Poesie zeitgenössischen Designs. Die Werke sollen in den Dialog mit ihrer Umgebeung treten. „FEU SACRÉ“  wird noch bs zum 17.Juni 2017 präsentiert – spannende Ausstellungen werden sicher folgen, sodass sich ein Besuch in jedem Fall lohnt.

Gleich über den Hof ist vor wenigen Wochen der Showroom von Lindell&Co eingezogen, mit herrlichen Wohntextilien der Textildesignerin Gabrielle Soyer (nicht verwandt mit Armel!) Beeinflusst von ihrer schwedischen Mutter kombiniert sie skandinavische Sensibilität mit der Rafinesse traditioneller indischer Stickerei. Teppiche und vor allem Kissen werden von erfahrenen Handwerkern in Indien und Nepal extra für Lindell nach Gabrielles Entwürfen gefertigt. Handgefärbte neuseeländische Wolle, indische Seide und Kashmir aus Kasachstan werden für diese geschmackvollen, klassischen Kissen in gedeckt bunter Farbpalette verarbeitet. Ein Kissen mit den feinen Kettstichen zu arbeiten dauert ca. 3-4 Tage. Daher sind die Auflagen und Mengen generell recht klein, können aber z.B. auch auf Kundenwunsch gefertigt werden. Gabrielle vertreibt ihre Textilien weltweit.

Mit ihrer Kollektion zeitgenössischer Manufaktur-Möbel und Objekte, in limitierten, signierten Editionen und Auflagen, wendet sich die Galerie Grosserez an ein internationales Publikum, das schöne Dinge zu schätzen weiß.  Seltene Möbelstücke, funktionell, originell und modern, eher skulptural und ausdrucksstark, findet man auf zwei Etagen, eine davon ein imposantes Kellergewölbe. Die Galerie veranstaltet auch Ausstellungen, zuletzt mit Möbeln von Valentin Loellmann.

Den Besuch der Galerie Bensimon, sonst auch immer einen Umweg wert, habe ich diesmal ausfallen lassen, da sie auch im Grand Palais mit einem Stand vertrete war.

Natürlich gibt es in Paris noch so viel mehr Hotspots, Galerien, Atelerhäuser und Hinterhöfe mit coolem Zeug und toller Objektkunst – nur dieses Mal waren die 48 Stunden einfach zu kurz für mehr. Also: a bientot, Paris – a la prochaine!

© Schnuppe von Gwinner

Les Ateliers de Paris, 30 rue du Faubourg Saint-Antoine, 75012 Paris

Galerie Armel Soyer, 19-21, rue Chapon 75003 Paris

LINDELL & Co, 19 rue Chapon, 75003 Paris
Galerie Grosserez, 3 rue Debelleyme, 75003 Paris
Galerie Bensimon, 111 Rue de Turenne, 75003 Paris