tog_ther: München vom 08. bis 12.03. 2017 – eine Nachlese.

Zur Schmuckwoche in München liessen sich die Kuratoren Gisbert & Rose Stach für den Kunstpavillon im alten Botanischen Garten etwas besonderes einfallen. Der wohlproportionierte Raum mit dem schönen Licht, das aus der Glasdecke hinab fällt, inspirierte sie dazu, einige Wegbegleiter und befreundete Schmuck-Künstler zu einer gemeinsamen Schau einzuladen. Kreative Bekanntschaften und Freundschaften, die sie teils im gemeinsamen Studium, in Aktionen und Events schätzen lernten, baten sie zum „Stuhlkreis“. Vergleichbar der morgendlichen Runde in Kindergarten oder Schule, zur Gruppentherapie oder anderen pädagogischen Einsatzgebieten. Keiner sitzt am Rand, alle sind dabei! Möchten erkannt und verstanden werden.

Mit einem selbst gewählten Sitzmöbel und Kunst-Stück: „Come together oder come to gather“– rückten Peter Bauhuis, Emese Benczúr, David Bielander, Florian Buddeberg, Shirin Damerji, Anna Eichlinger, Susanne Elstner, Sławomir Fijałkowski, Christiane Förster, Réka Lörincz, Daniel Michel, Anna Moll, Pavol Prekop, Nicola Scholz, Kristýna Španihelová, Gisbert Stach, Rose Stach , Norman Weber, Arek Wolski und Christoph Zellweger zusammen: ihr Werk und damit sich selbst in das schöne Licht des Pavillons – und ins Auge des Betrachters.

Zum Vergnügen des zahlreichen Publikums, das entspannt und verblüfft, mit wachsender Neugier um die Exponate kreiste. Hier wurden Geschichten erzählt, überraschend, ironisch, kritisch… Jede der Installationen wollte gedeutet werden, z.B. als interaktiver Stuhl mit potenzsteigernder Wirkung (Christoph Zellweger), oder als erschlaffte Silhouette einer männlichen Figur, mit ironischen Titel Selbst-Portrait, die zum Hocker wird (Arek Wolski). Nicht immer erschlossen sich die, zur Objektcollage mutierten Assoziationen dem um Verständnis ringenden Besucher. Die anwesenden Künstler und Kuratoren halfen gerne nach. So konnte man von der Befreiung der Würste aus dem Thonetstuhl erfahren (David Bielander) – was definitiv nicht die absurdeste Idee war, der man hier begegnen konnte.

Befreit aus der Isolationshaft der Vitrinen, vom (hohen) Podest geklettert, kann Schmuck als Kunst sehr unterhaltsam sein. Das Zusammenrücken im Stuhlkreis hat dem Dialog – und Verständnis – sehr gut getan.

Und draussen lachte ein Meer blauer Krokusse in der Frühlingssonne!

© Schnuppe von Gwinner

 

Kunstpavillon

Alter Botanischer Garten am Stachus
Sophienstr. 7a
80333 München

Impressionen aus der Ausstellung

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