Beautiful Mind: Berlin vom 20.05.2016 bis 28.08.2016

Kerstin Mayer: Halsschmuck Perlenreif, Gold, Süßwasserperlen, 2005 (re.) © Foto: René Arnold

Positionen zeitgenössischer Schmuckkunst in der Auseinandersetzung mit Schmuck der Cranach-Zeit präsentiert das Berliner Kunstgewerbemuseum ab 20. Mai 2016 mit der Ausstellung Beautiful Mind: Ein Schmuckstück für Cranach.

Anlässlich des 500. Geburtstages von Lucas Cranach dem Jüngeren lobte die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt im Mai 2014 einen nationalen Wettbewerb aus. Zu Lebzeiten Cranachs des Jüngeren (1515 – 1586) waren aufwendige, aus kostbaren Materialien gefertigte Schmuckstücke Ausdruck für Reichtum und sozialen Status ihrer Träger. Im Rahmen des Wettbewerbs waren künstlerische Interpretationen von Renaissance-Schmuck gefragt, die zeitgenössischen Formen von Selbstdarstellung und sozialer Distinktion Ausdruck geben.
 Am Wettbewerb beteiligten sich 146 Künstlerinnen und Künstler aus allen deutschen Bundesländern. Die 51 für eine Ausstellung ausgewählten Werke bieten ein breites Spektrum zeitgenössischer künstlerischer Arbeiten aus ganz Deutschland.

Die Jury, der Dr. Widar Halén, Director of The National Museum of Art, Architecture and Design, Oslo, Norwegen, Prof. Brigitte Häntsch, AHM Architekten BDA, Berlin, Cornelie Holzach, Direktorin Schmuckmuseum Pforzheim, Dr. Eva Maria Hoyer, Direktorin GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Susan Pietzsch, Glashagen, Künstlerin und Schmuckgestalterin und Dr. Katja Schneider, Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt angehörten, bestimmte außerdem die drei Siegerinnen des Wettbewerbes, in deren eingereichten Schmuckstücken ein je eigener inhaltlicher und formaler Bezug zu Leben, Werk und Wirkungen Cranach d. J. deutlich wurde.

Der 1. Preis, dotiert mit 3.000 Euro, ging an Bettina Dittlmann aus Breitenbach in Bayern.  Das Juryurteil für ihre Brosche lautete: „Die aus Eisen gefertigte, mit Granatsplittern besetzte und sparsam emaillierte Brosche ist ein mit höchster handwerklicher Perfektion gefertigtes Schmuckstück. Aus profanen Materialien entstand ein kostbares Schmuckstück. Es ist ein ausgezeichnetes Beispiel brillant beherrschter Goldschmiedekunst. Volumen, Farbigkeit, Oberflächentextur und die im Kontrast zu der formal strengen Außenform präzise und differenzierte Binnenstruktur verleihen dem Stück seine opulente Wirkung. Bettina Dittlmann übersetzt die materielle und visuelle Kostbarkeit von Renaissanceschmuck eindrucksvoll in eine zeitgemäße künstlerische Formensprache.“

Der 2. Preis, dotiert mit 2.000 Euro, ging an Beate Eismann aus Halle in Sachsen-Anhalt. Das Juryurteil für ihren Halsschmuck lautete: „Beate Eismann hat vier gemalte weibliche Halbfiguren dreidimensional geformt: „Bildnis einer Dame“, „Bildnis der Agnes von Hayn“, „Bildnis der einer Edelfrau“ (alle von Cranach d. J.) sowie „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ (von Cranach d. Ä.). Diese von der Künstlerin mittels Rapid-Prototyping in Rotationskörper verwandelte Halbporträts geben – gleich einem plastischen Schattenriss – ihre Abkunft offen preis. Die Jury überzeugt der unprätentiöse Verweis auf die Geistesgeschichte der Renaissance ebenso wie die formale, besonders die plastische Qualität der von einer zartgliedrigen Goldkette gehalten Formen.“

Der 3. Preis dotiert mit 1.000 Euro, ging an Svenja John aus Berlin. Das Juryurteil für ihren Halsschmuck lautete: „Das von Svenja John mit großem technischen und handwerklichem Aufwand gestaltete Collier nimmt mit seiner Form und delikaten Farbigkeit Grundthemen des Renaissanceschmucks auf: Prächtigkeit und Repräsentation. Auf scheinbar spielerische Weise und mit hoher Präzision fertigt die Künstlerin aus billigem Kunststoff wertvolle Schmuckstücke, die ihre gestalterische Qualität aus einer zugleich komplizierten wie strengen, symmetrischen Ordnung gewinnen. Mit Ernsthaftigkeit, Intelligenz und heiterer Gelassenheit gestaltet Svenja John – ganz ohne ironische Rekurse – schöne und tragbare Schmuckstücke.“ (Pressetext Kunststiftung)

Ihre Schöpfungen wurden zusammen mit weiteren 48 Werken im Rahmen der Ausstellung Beautiful Mind: Ein Schmuckstück für Cranach im vergangen Jahr im Rahmen einer als Wanderausstellung konzipierten Präsentation zunächst im Lutherhaus in Wittenberg und danach im Schmuckmuseum in Pforzheim gezeigt. Nun sind diese besonderen Schmuckstücke vom 20.05. bis 28.08.2016 im Kunstgewerbemuseum Berlin zu sehen.

Kunstgewerbemuseum
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 10 – 18 Uhr |Samstag – Sonntag 11 – 18 Uhr

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Die Schmuckstücke der Preisträgerinnen Svenja John, Bettina Dittlmann und Beate Eismann (von links nach rechts), arrangiert und fotografiert von Carina Linge.
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