Claudia Biehne: ein Atelierbesuch

Auf meinem Spaziergang durch die Spinnerei in Leipzig-Plagwitz besuchte ich heute die Keramikkünstlerin Claudia Biehne in ihrem Atelier. Ihr Vorzimmer, strahlt den in die Jahre gekommenen Wohnzimmercharme später 50er/ 60er aus. Sogar ein Weihnachtsbaum steht da schon. Hinter der Eisentür zum eigentlichen Atelier und den Schauräumen hallt dieser Look noch nach und kontrastiert die ausgestellten Werke auf eigentümliche Weise.

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Doch der Blick geht sofort hinaus durch das große Fenster. Vor der Kulisse hoher Ziegelbauten reihen sich hauchzarte Porzellangebilde im Licht. „Lumos“ heißt diese Serie. Schalen und Schälchen, knittrig wie Papier, durchsetzt von transluzenten Ornamenten und vegetabilen Spuren, wie hin geweht. Reale Blüten, Blätter  Spitzen haben sich hier verewigt. Tod und Vernichtung brachte ihnen der Brand des Porzellans und lies sie als fragmentarische Silhouetten, als  magische Fenster zum Licht in den  weißen Scherben zurück. Was für eine Metamorphose! Hochtransluzentes Porzellan mit Materialmixlitophanien nennt es die Künstlerin.

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Claudie Biehne lässt es wachsen und werden – nur gemacht darf es nicht aussehen. „Zwischen den Gezeiten“ nennt sie ihre durchaus voluminösen Skulpturen, deren Auswüschse und Arme sich eratisch hervor recken und krümmen. Seepocken und  Korallen mögen ein vages Vorbild gewesen sein. In Wahrheit bilden sich die Cluster und Strukturen abstrakter, artifizieller, fragiler, immer dem Licht entgegen. Die Verführung dieser visuellen Zauberwerke wird durch den taktilen Schrecken gesteigert. Die transparent scharfen Kanten lassen das Schlimmste befürchten, sollte man ihnen zu nahe kommen. Objekte aus zahlreichen, individuell erstellten Segmenten nennt sie die Künstlerin.

„Wachstum“, „Vulkanoiden“, „Zeit und Sichtbarkeit“ nennt Claudia Biehne andere Werkgruppen, denen auch ihre tiefe Faszination an Wachstum und Werden zu Grunde liegt, wie sie es selbst, besser als jeder andere,  in einem aktuellen Video beschreibt.

In folgenden Ausstellungen sind Claudia Biehnes Arbeiten aktuell zu sehen:

Internationale Keramikbiennale vom 5. bis 13.12.2015 im Gemeenschapscentrum Den Breughel, Wespelaarsesteenweg 85, B-3150 Haacht (Belgien)

Schein & Sein – Materialität in Glas, Keramik und anderen Werkstoffen noch bis 03.04.2016 im Europäischen Museum für Modernes Glas, Rosenau 10, 96472 Rödental ( Kunstsammlungen der Veste Coburg)

form. frei – Keramik Europas noch bis  14.02.2016 im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, 24837 Schleswig – die Ausstellung ist eine Teilübernahme der Ausstellung zum „13.Westerwaldpreis 2014“ des Keramikmuseums Westerwald in Höhr-Grenzhausen.

 

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