SHOESPLEASURE AND PAIN: Victoria & Albert Museum, London bis zum 31.01.2016

Im Juni wurde im Londoner V&A eine aufgregende Ausstellung „SHOES – PLEASURE AND PAIN“ eröffnet, die über 200 Schuhpaare extremer Fußbekleidung präsentiert. Diese dokumentieren gleichermaßen Moden und Sitten rund um den Globus, von der altägyptischen Sandalette aus purem Gold bis zu den ausgeflipptesten Designs zeitgenössischer Schuhdesigner. Die kulturelle Bedeutung und die Verwandlungsmöglichkeiten von Schuhen werden hier genauer betrachtet, wie auch die jüngsten Entwicklungen in der Fußbekleidungs-Technologie, die noch höhere Absätze oder noch dramatischere Formen ermöglichen. Beispiele berühmter Schuhträger und Schuhsammler werden neben einer umwerfenden Sammlung historischer Schuhe, von denen viele noch niemals ausgestellt wurden, vorgestellt.

Aussergewöhnliche Fußbekleidungen kommen in der Volkskunst auf der ganzen Welt vor. Hier hat die Wahl der Schuhe Konsequenzen und vermag das wahre „ich“  freizulegen. Cinderella wird  durch ihren Schuh wieder in ihrer rechtmässige Position zurück geführt während Karen’s rote Schuhe sie für ihre eitle und unklugen Bestrebungen disziplinieren. Schuhe strafen und belohnen, erheben und verführen, beschleunigen und hindern durch ihre Kraft der Transformation.  Märchenhafte Schuhe geben Männern und Knaben oft die Macht zu fliegen, mit gewaltiger Sprungkraft hinweg zu sausen.

Heute wird die tranformative Kraft der Schuhe genutzt, sie zu verkaufen. Moderne Folklore zeigt uns die Magie auf dem Fussballfeld und märchenhafte Schuhmacher, deren Produkte das Leben ihrer Träger verändern werden. Der Besitz magischer Schuhe verspricht noch immer ein glückliches und zufriedenes Leben bis ans Lebensende

Durch die Jahrhunderte und Kulturen hindurch symbolisierte die Fussbekleidung immer einen hohen sozialen Status. Oft unpraktisch in Dekoration und Form geben die Schuhe ein klares Statement darüber ab, dass der Träger nicht körperlich arbeiten muss. Sie diktieren auch wie der Träger sich fortbewegt, wie man sie sehen und hören kann. Losgelöst von ihrem praktischen Zweck sind Schuhe Teil einer Performance. In der Öffentlichkeit getragen,  können sie ihre  Träger in einen König oder eine Königin verwandeln.

Schuhe spielen eine wichtige Rolle in dem, was in verschiedenen Kulturen als sexy angesehen wird. Gemeinsam mit den Füssen waren sie lange Subjekt von Fetischismus. Sexy Schuhe beeinflussen die Bewegungen des Körpers, erregen den Betrachter und verursachen eine sinnliche Erfahrung für den Träger. Schmale, optisch verkleinernde Schuhe sind dabei dem Weiblichen vorbehalten – schwere, militärisch beeinflusste Fussbekleidung dem Männlichen. Nakt Schuhe zu tragen steigert die Nacktheit. Die Mode hat sich immer an Subkulturen bedient, auch im Reich des Fetischismus, um Grenzen zu überwinden und neu zu kreieren. Die Schuhmoden auf der ganzen Welt reflektieren auch Veränderungen im sexuellen Verhalten.

Schuhe zu machen ist ein Prozess in dem Entwurf, plastischem Gestalten und Technologie zusammenspielen. Die Schuhmacher verschmelzen Funktion und Kunst durch traditionelle Handwerksarbeit und technologische Innovation.Die Herstellung von Fussbekleidung beinhaltet bis heute über Jahrhunde etablierte Prozesse. Doch in unserer Zeit hat die Globalisierung zu großen Veränderungen in der Produktion, in der Vermarktung und im Verbrauch von Schuhen geführt, vom handgemachten zum industriell massenproduizierten Schuh.

Schuhe sind Handelsware und Sammelobjekte. Die luxuriösen und unpraktischen Schuhe, die klar Privilege und Status signalisieren sind lange Zeit  Objekte der Begierde gewesen. Große Summen für ein Paar Schuhe auszugeben ist angenehm, weil es exzessiv ist. Schuhe werden lediglich für die reine Freude am Besitz gesammelt, für die Schönheit von Schuhen, und manchmal auch für die Erinnerungen und Assoziationen, die dazu gehören.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog

Victoria and Albert Museum
The world’s greatest museum of art and design
South Kensington
Cromwell Road
London SW7 2RL
Öffnungszeiten täglich von 11.00 bis 17.45 Uhr, Freitags 11.00 bis 22.00 Uhr

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