Laurenz Stockner – Spuren: Wolkenstein vom 12.09. bis 11.10.2026

Laurenz Stockner, Mehrfachgefäß, Zinn, Sandguss, Detail | Foto:Jürgen Eheim

Die Ausstellung SPUREN im Kulturverein Tublà da Nives in Wolkenstein präsentiert unterschiedliche Werkgruppen von Laurenz Stockner und richtet den Blick auf das Zusammenspiel von Material, Form und handwerklichem Prozess. Im Mittelpunkt steht die elementare Form des Gefäßes, die Stockner immer wieder neu interpretiert und vom Gebrauchsgegenstand zur eigenständigen Skulptur entwickelt. Arbeiten aus Kupfer, Stahl und Zinn machen die unterschiedlichen Eigenschaften der Materialien ebenso erfahrbar wie die Spuren ihrer Bearbeitung, Herkunft und Verwandlung.

Laurenz Stockner, Doppelgefäß, Zinn, Sandguss, 65 x 25 x 5 cm | Foto:Jürgen Eheim

Einen besonderen Akzent setzt die Ausstellung mit den jüngsten Arbeiten aus Zinn. In der Serie Plana führt Stockner seine Beschäftigung mit Doppel-, Drei- und Mehrfachgefäßen in einem neuen Material und Verfahren weiter. Das Zinn gewinnt der Künstler aus eingeschmolzenen alten Gebrauchsgegenständen und Orgelpfeifen und verarbeitet es im Sandguss. Die Gefäße entwickeln sich zu horizontalen, landschaftsartigen Formen. Erhebungen und Vertiefungen auf der hell schimmernden Oberfläche erinnern an Felsformationen und verweisen auf die Berglandschaft, die Stockners Arbeit seit jeher prägt. Gleichzeitig tragen die Arbeiten die Geschichte ihres Ausgangsmaterials in sich: Gebrauchtes wird eingeschmolzen, verwandelt und als neue Skulptur sichtbar.

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist Soffio, eine Installation mit rund zwanzig Kupferschalen aus der Werkserie Elastische Form. Seit 2008 treibt Stockner Schalen aus reinem Kupfer bis an die Grenzen der Materialeigenschaften. Durch ihre extreme Dünnwandigkeit reagieren sie auf kleinste Luftbewegungen und beginnen sich zu bewegen. Was zunächst als schweres, starres Metall erscheint, wird zu einem überraschend leichten und elastischen Material. Im gläsernen Ausstellungsraum des Tublà da Nives verstärkt sich der Eindruck von Feinheit und Schwerelosigkeit: Die Schalen werden zu bewegten Körpern, deren Form sich im Moment der Betrachtung verändert.

Die Prettauer Kupferschalen stehen exemplarisch für Stockners langjährige und besonders intensive Beschäftigung mit dem heimischen Material. Ausgangspunkt ist Zementkupfer aus dem Ahrntal, das der Künstler selbst in mehreren Schmelzvorgängen zu Kupferblech verarbeitet. Erst anschließend beginnt der Prozess des Schmiedens und Formens. Risse, Unebenheiten und Bearbeitungsspuren bleiben auf den Oberflächen sichtbar. In den warmen Orange- und Rottönen des Kupfers überlagern sich dabei unterschiedliche Zeitschichten: die Herkunft des Materials, seine Verarbeitung und der individuelle Eingriff des Künstlers.

Auch die in der Ausstellung präsentierten Arbeiten aus Stahl zeigen, wie Stockner die vertraute Gefäßform immer wieder neu befragt. Die vertikalen Stapelgefäße der Serien Strata und Ferm greifen die Form traditioneller Vorratsgefäße auf, entziehen ihr jedoch ihre ursprüngliche Funktion. Einige lassen sich öffnen, andere bleiben dauerhaft verschlossen. Das Gefäß wird vom Gebrauchsgegenstand zur Skulptur. In der Serie Hyle wird der Stahl wiederum bis zum Schmelzen erhitzt. In der erstarrten Form bleibt die Spur dieser extremen Bearbeitung sichtbar – ein Moment zwischen fest und flüssig, zwischen ursprünglichem und verändertem Zustand. (Text: Kuratorin Katherina Perlongo)

Laurenz Stockner (*1971 in St. Andrä bei Brixen) verbindet in seiner künstlerischen Arbeit traditionelles Handwerk mit zeitgenössischer Formensprache. Geprägt von der Arbeit des Dorfschmieds, absolvierte er zunächst eine Schlosserlehre, bevor er sich in Florenz zum Goldschmied weiterbildete. Seit 2003 arbeitet er in seinem eigenen Atelier und seiner Werkstatt in St. Andrä. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bayerischen Staatspreis und dem Preis der Grassifreunde 2018 war er Finalist des internationalen LOEWE Craft Prize. Seine Werke befinden sich in internationalen Kunstsammlungen.

Kulturverein Tublà da Nives
Nives Straße 6
39048 Wolkenstein, Gröden
Italien

Öffnungszeiten: täglich außer Montag, 16–19 Uhr
An folgenden Tagen ist der Künstler anwesend: Sa. 12. 09. / So 13.09. / So. 20. 09. / Sa. 26. 09. / Sa. 03. 10. / So. 11.10.