Mit den Werken von Stanislav Libenský und Jaroslava Brychtová präsentiert das Glasmuseum zwei herausragende Künstlerpersönlichkeiten und Wegbereiter der tschechischen Glasplastik.
Durch ihre innovative Herangehensweise begründeten Libenský und Brychtová eine neue Wahrnehmung von Glas als skulpturalem Werkstoff, den sie mit ihren vielfältigen Arbeiten auf höchstem Niveau etablierten. Als erste Künstler präsentierten sie 1958 auf der Expo in Brüssel formgeschmolzene Glasplastiken. Seither wurde Glas zunehmend nicht mehr nur als Gebrauchsglas oder dekoratives Kunsthandwerk, sondern als vollwertiges Medium der freien Kunst anerkannt.
Brychtová experimentierte früh mit dem Schmelzen von Glas in Formen und übertrug die zweidimensionalen Entwürfe Libenskýs mithilfe von Tonmodellen in die dreidimensionale Form. So entstanden skulpturale Werke, die Licht, Struktur und Materialität neu definierten. Libenský und Brychtová beschäftigten sich mit geometrischen Formen und optischen Effekten. Dabei wurde Licht zu einem zentralen gestalterischen Element: Es durchdringt die Glaskörper und erzeugt durch negative Modellierung unterschiedliche Farbintensitäten und räumliche Tiefe.

Stanislav Libenský und Jaroslava Brychtová zählen zu den visionärsten Persönlichkeiten der modernen Glaskunst – Pioniere, die das weltweite Verständnis dieses Mediums grundlegend gewandelt haben und deren Zusammenarbeit Werke hervorbrachte, die maßgeblich zur Entwicklung der modernen Glasästhetik beitrugen.
Die Werke der beiden Künstler laden die Betrachter*innen ein, um sie herumzugehen, das Spiel von Durchsicht, Licht und Farbe zu erleben und den Raum im Inneren der Glasskulpturen zu entdecken.
Stanislav Libenský (1921 – 2002) und Jaroslava Brychtová (1924 – 2020) arbeiteten seit ihrem Kennenlernen in Železný Brod im Jahr 1954 zusammen; 1963 heirateten sie. Nach seiner Ausbildung an den Glasfachschulen in Nový Bor und Železný Brod studierte Libenskýs Zeichnen und Malerei an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag. Brychtová wuchs in einer Künstlerfamilie auf, ihr Vater war Bildhauer sowie Leiter einer Glasfachschule in Železný Brod, und absolvierte an derselben Akademie in Prag ein Studium der Bildhauerei.

Der Erfolg des Duos bei der Expo 1958 in Brüssel, wo sie den Grand Prix erhielten, machte die tschechische Glasplastik weltweit bekannt. Weitere internationale Erfolge erzielten sie mit großformatigen Arbeiten auf den Weltausstellungen 1967 in Montreal, die zahlreiche amerikanische Künstler beeinflussten, und 1970 in Osaka mit dem monumentalen, etwa 12 Meter langen ‚Fluss des Lebens‘. Gemeinsam realisierten sie zahlreiche Kunstwerke im architektonischen Kontext in der ehemaligen Tschechoslowakei. Darüber hinaus leitete Libenský von 1963 bis 1987 das Glasatelier an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag.
Das Künstlerpaar Jaroslava Brychtová und Stanislav Libenský lebte und arbeitete fast fünfzig Jahre lang zusammen und prägte Generationen von Künstlern weltweit. Viele ihrer Werke sind in den bedeutendsten Museen der Welt zu finden u.a. im Metropolitan Museum of Art/New York, im Corning Museum of Glass und im Victoria&Albert Museum/London. Damit gehören sie zu den wichtigsten Vertretern der weltweiten Studioglasbewegung.
Die Sonderausstellung vereint Leihgaben bedeutender Sammlungen, darunter der Athenaeum-Stiftung/Heidelberg, der Alexander Tutsek-Stiftung/München, der Ernsting Kunst- & Kulturstiftung/Glasmuseum Lette, den Kunstsammlungen der Veste Coburg/Europäisches Museum für Modernes Glas sowie privater Sammler. (Pressetext)
Achilles-Stiftung
Fuhlsbüttler Straße 415a, 22309 Hamburg
Öffnungszeiten: Di – Sa: 11.00 – 18.00 Uhr, an Feiertagen geschlossen
Öffentliche Führungen an jedem 2. und 4. Samstag des Monats, jeweils um 12:00 Uhr;
