21. Silbertriennale International: Pforzheim bis 06.05.2027

Kanne »Goryeo 2« Yeunhee Ryu - Preisträger Silber geschmiedet 2023 Foto Uwe Dettmar

Im Schmuckmuseum Pforzheim wird die 21. Silbertriennale International im Dialog mit Highlights des Museumssammlung aus Silber und Diamanten gezeigt.
Ob Schalen oder eine Teekanne, Vasen oder eine Laterne – die Bandbreite an Objekten der 21. Silbertriennale International ist groß. Das Schmuckmuseum Pforzheim zeigt die ausgewählten Arbeiten dieses Wettbewerbs zur Förderung der zeitgenössischen Silberschmiedekunst, den die Gesellschaft für Goldschmiedekunst und das Deutsche Goldschmiedehaus Hanau seit 1965 ausrichten. Durch Präsentationen im In- und Ausland ist er zu einer weltweit anerkannten Ausstellungsreihe geworden. Auch dieses Mal sind ausgefallene Silberobjekte zu sehen, die in ihrer Gestaltung und Fertigung von handwerklicher Präzision und künstlerischer Raffinesse zeugen. »Das Spektrum an Objekten fasziniert durch seine Vielfalt und knüpft thematisch wunderbar an unsere vorige Ausstellung ›Aufgetischt‹ zur Tischkultur an«, erläutert Museumsleiterin Friederike Zobel. »Die Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunst und spielen mit den ästhetischen Materialqualitäten von Silber«, ordnet Kuratorin Katja Poljanac ein. 

Mit der Silbertriennale verfolgt die Gesellschaft für Goldschmiedekunst das Ziel, das Silberschmiedehandwerk und dessen Neuausrichtung zu unterstützen. Durch die Ausweitung zu einem internationalen Wettbewerb 1992 erfuhr sie weitere Impulse und bringt weltweite Trends zum Ausdruck. In den vergangene zwanzig Jahren haben zunehmend Silberschmiedearbeiten aus Asien überzeugt. »Hervorragend gestaltetes Gerät und neugierig machende Objekte stehen in dieser Silbertriennale überraschend nebeneinander, sie machen die Vielfalt der Silberanwendung aus. An den ausgewählten Arbeiten wird ein Ringen mit der Form, der Oberflächengestaltung und der Themen von großer Vielfalt ersichtlich«, ordnet der Leiter des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau, Malte Guttek, ein. 

Flasche »Bottle in Silver« Silber, Leder
Lee Sungyeoul, 2023
Foto Sangduk Han

Sowohl renommierte Gestalter als auch Nachwuchskünstler haben ihre Arbeiten eingereicht und belegen die ungebrochene Attraktivität des Wettbewerbs. Insgesamt gab es 137 Bewerbungen mit 195 Arbeiten aus 21 Ländern. Davon wurden 59 Bewerbungen mit 67 Arbeiten aus 15 Ländern angenommen. Zur fachkundigen Jury gehörten Beate Leonards, Silberschmiedin aus Lübeck, Wim Nys, Kurator am DIVA-Museum in Antwerpen, und Karen Pontoppidan, Professorin an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie verliehen acht Preise im Gesamtwert von 20.000 Euro – im Hauptwettbewerb an Yeunhee Ryu, Yong-il Jeon, Jieun Park, im Nachwuchsförderwettbewerb an Yegyu Shin, Siqui Zhang, Jae Hui Jeong, Carl Kankowsky und Rebecca Bierbrodt, die aus Korea, China und Deutschland stammen.

Im Dialog sind Highlights des Schmuckmuseums aus Silber und Diamanten sowie aus der ethnografischen Sammlung zu sehen. Ab der zweiten Ausstellungshälfte stellen auch Schüler des Berufskollegs für Design, Schmuck und Gerät der Goldschmiedeschule Pforzheim ihre Arbeiten aus. Darüber hinaus wird angewandte Kunst aus Mode und Fotografie an der Schnittstelle zur bildenden Kunst gezeigt.

Kühle Brillanz – Highlights des Schmuckmuseums aus Silber und Diamanten

Brosche
Gold, Silber, Diamanten Englisch oder französisch um 1860-70 Schmuckmuseum Pforzheim Foto Günter Meyer

Alles, was glänzt, zieht die Blicke auf sich. Kein Metall vermag das Licht so stark zu reflektieren wie Silber. Es hat einen warmen, hellen Weißton. Das gab ihm seinen lateinischen Namen »argentum«. »Kulturhistorisch wird Silber mit dem Mond und den Sternen assoziiert. Zudem ist Silber bei einer Supernova entstanden und in den Weltraum geschleudert worden. Diesen Aspekten folgt die multimediale Inszenierung in der Ausstellung«, erläutert Kuratorin Katja Poljanac. Die kühle Brillanz von Diamanten wird erst durch die Fassung in weißem Edelmetall voll zur Geltung gebracht, was dem ausschweifenden Bedürfnis nach Luxus und Extravaganz im Barock und Rokoko entsprach. Diamantschmuck wurde bis ins 19. Jahrhundert oft in Silber gearbeitet, denn Weißgold war noch nicht erfunden und die Verarbeitung von Platin noch nicht ausgereift. So konnte Silber in der Gunst der Geschmäcke Gold durchaus übertreffen. In der historischen Sammlung werden Schlaglichter auf die vielfältige Bedeutung von Silber geworfen, eine Multimedia-Inszenierung stellt das Metall kulturhistorisch vor.

Afghanistan, Oman oder Schwarzwald? Glanzstücke aus Silber der ethnografischen Sammlung Herion 

Älteste Silberfunde stammen aus dem fünften vorchristlichen Jahrtausend und wurden in der Gebirgsregion zwischen Anatolien und Afghanistan ausgegraben. Aber auch im südlichen Schwarzwald wurde seit dem Mittelalter Silberbergbau betrieben. Silber ist nach wie vor weltweit als Schmuck und Zahlungsmittel beliebt, davon zeugt die Sammlung von Eva und Peter Herion in der Schau »Was ist Schmuck?« des Schmuckmuseums. Der Ausstellungsbereich kann unter diesem Aspekt neu entdeckt werden, nicht zuletzt mit einem digitalen Grabungstisch, der kleine und große Besucher zu Archäologen werden lässt. Mit etwas Geschick können Silberschätze aus aller Welt freigelegt werden – ein interaktiver Spielespaß für die ganze Familie. Die Originale dazu lassen sich in den verschiedenen Bereichen der Ausstellung bewundern.

Halsschmuck »Sumt« mit Maria-Theresien-Talern
Silber teilvergoldet, Textil
Oman, Wahiba Sands, Beduinen
Schmuckmuseum Pforzheim, Sammlung Eva und Peter Herion Foto Petra Jaschke

»Randnotizen« – Mode und Fotografie von Monika Markert und Silke Helmerdig

Im Foyer sind unter dem Motto »Randnotizen« Mode und Fotografie der Modedesignerin Monika Markert und der Fotografin Silke Helmerdig zu sehen. Mode bewegt sich zwischen Ästhetik und Funktionalität, Tradition und Moderne, Leben und Erfahrung. Es sind Exponate zu sehen, bei denen immer wiederkehrende schmückende, festliche Elemente der Tracht aus verschiedenen Kulturkreisen mit zeitgenössischen kontrastiert werden. Die schmückenden Elemente der Bekleidung wie Falten, Fransen, Plissee, glänzende Stoffe, hochwertige Materialien aus Seide und Wolle, stehen in Korrelation zu dem Erscheinungsbild der Trägerinnen und Träger mit ihren traditionellen Haarfrisuren wie Zöpfen, langem Haar oder Hochsteckfrisuren. Ziel ist es zu schmücken, zu zieren, die Schönheit der einzelnen Träger sich entfalten zu lassen. Die Exponate vereinen gesammelte Lebenserfahrungen und die Wahrnehmung der sich optisch ständig verändernden Umwelt, in der wir leben. Die Komposition greift Formen und Muster aus unserem Alltag auf und interpretiert sie neu. Es entsteht ein Dialog zwischen den Elementen im Raum, der mit der Kleidung entstandenen Fotografie und der Architektur des ikonischen Ausstellungsortes. Die Ausstellung soll keinen abgeschlossenen Prozess darstellen. In der Prozesshaftigkeit wird die Weiterentwicklung einer Idee möglich, bis hin zum funktionstüchtigen Kleidungsstück.

Die Ausstellungen unter der Gesamtleitung von Museumsleiterin Friederike Zobel wurden von Katja Poljanac konzipiert und kuratiert.

Jahnstraße 42, 75173 Pforzheim

Öffnungszeiten: Mi bis So und feiertags 10 bis 17 Uhr