Im Rahmen der GLAS 2026, der Wettbewerbs-Ausstellung zur zeitgenössischen Glaskunst in Deutschland wurde bereits zum neunten Mal wird der Immenhäuser Glaspreis verliehen. In Deutschland lebende und arbeitende Künstlerinnen und Künstler konnten sich bis zum 8. März 2026 mit drei neuen Glasobjekten bewerben. Die ausgewählten Arbeiten, die Studioglas-Objekte, Flachglas-Arbeiten und innovative Hohlglas-Gestaltungen beinhalten, werden vom 09. Mai bis 31. Oktober 2026 im Glasmuseum Immenhausen in einer Ausstellung gezeigt. Die Ausstellung zeigt die Trends und Entwicklungen der zeitgenössischen Glaskunst auf nationaler Ebene.
Eine hochkarätige unabhängige Fachjury vergab unter den ausgewählten Kunstwerken im Vorfeld die ersten drei Preise. Darüber hinaus entschied sich die Fach-Jury zwei Belobigungen für weitere drei Kunstwerke auszusprechen.
Mitglieder der Fachjury
Dr. Sven Hauschke
Direktor der Kunstsammlung der Feste Coburg und des Europäischen Museum für modernes Glas
Dr. Katrin Holthaus
Leiterin LWL-Museum Glashütte Gernheim
Dr. Christian Lechelt
Leiter Museum Schloss Fürstenberg
Uta M. Klotz
Herausgeberin und Chefredakteurin Neues Glas
Michael Kirsch
Schulleitung Glasfachschule Hadamar
Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst und Schirmherr der GLAS 2026 nahm an der Veranstaltung teil. Minister Gremmels sowie Lars Obermann, Bürgermeister Immenhausen hielten ein Grußwort. „Der Immenhäuser Glaspreis zeigt, wie lebendig und vielfältig die Glaskunst heute ist. Die ausgezeichneten Werkstücke spiegeln handwerkliche Präzision, künstlerischen Mut und konzeptionelle Stärke wider“, so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. Museumsleiterin Ellen Kabelitz begrüßte die Anwesenden und moderierte durch die Veranstaltung.
Ein Print-Katalog zur Ausstellung, gesponsert von der Kulturstiftung des Landkreises Kassel, ist ab Ausstellungs-Beginn im Glasmuseum käuflich erhältlich.
Übersicht Preisträger und Belobigungen

1. Preis: 1.500 € „Wunderkammer“
Künstlerin: Cristina Zanotti
Begründung:
Mit dem 1. Preis wird der Wettbewerbsbeitrag von Cristina Zanotti ausgezeichnet. Die 1965 geborene und in Milano, Kunstakademie Brera ausgebildete Künstlerin liefert aus handwerklicher und künstlerischer Sicht eine hochwertige Arbeit ab:
Eine „Wunderkammer“ hat Cristina Zanotti beschert: Ein hausförmiger Schrein mit zwei Flügeltüren, geöffnet wir ein barocker Kabinettschrank oder wie ein Altar. Im Inneren ist eine Wunderwelt versammelt und angehäuft, ausgebreitet für den neugierigen Blick: Schälchen aus pâte-de-verre, Mugel mit Blattgoldeinschmelzungen, in Form gegossenes, Gepresstes, fein Bemaltes, dazu Fundstücke. Das aufwendig Handgemachte steht und hängt neben Industrieware. Das spielerische Werk entfaltet seine erzählerische Kraft beim genauen Hinsehen. Es lädt zum Entdecken ein, lässt schmunzeln und darüber nachdenken, was (Glas-) Kunst eigentlich will und soll: definitiv nicht allgemeingültigen Konzepten folgen. Die Künstlerin vermeidet jedes hohle Pathos und das ledigliche Ausstellen von technischer Virtuosität. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ – Schiller hatte völlig recht und an Zanottis „Wunderkammer“ zeigt sich dieser Gedanke hervorragend. Ohne Zweckbestimmung und äußere Notwendigkeit die Dinge zusammentragen, kombinieren und selbstversunken in einem Mikrokosmos zu ordnen, angefüllt mit den eigenen Geschichten und Zitaten aus der großen, chaotischen Welt. Wer hatte nicht in der Kindheit (und hat vielleicht noch heute) diese eine Kiste, Dose oder Schublade, die sich nach und nach mit den als kostbar empfundenen Dingen füllte? An diese ganz persönlichen Wunderkammern, in denen eine bunte Glasmurmel so wertvoll wie ein Kronjuwel war, lässt uns Cristina Zanotti erinnern und berührt dadurch zutiefst.

2. Preis: 1.000 € „Metamorphose“
Künstler: Rasit Rejwan Toplu
Begründung:
Der 1991 in Ahlat geborene Rasit Rejwan Toplu bekommt für sein Hohlglasobjekt „Metamorphose“ den zweiten Preis der Jury zugesprochen. Rejwan Toplu gelingt es mit dem Hohlglasobjekt „Metamorphose“, die Eigenschaften des Materials Glas und der ihm innewohnenden technischen Möglichkeiten auf ebenso individuelle wie prägnante Weise künstlerisch einzusetzen. Die Transformation der handwerklich-technischen Ebene in die künstlerische Konzeption gestaltet sich kohärent: Toplu setzt mit diesem Objekt die technischen Mittel seines handwerklichen Könnens präzise ein, um die Veränderbarkeit des Materials und seines Bearbeitungsverfahrens künstlerisch zu deuten und Prozessen der Verwandlung ebenso künstlerischen Gehalt wie ästhetischen Reis zu verleihen:
Wie der Titel „Metamorphose“ andeutet, fasst das Werk unterschiedliche Prozesse der Veränderung zusammen: Konkret betrachtet, bildet das Objekt die hüttentechnische Herstellung, insbesondere die Reaktionen des heißen Glases und das Formen durch Einblasen ab. Vor allem die aufgeschnittenen Blasen zeigen durch Changieren der Farben, Plastizität und optische Effekte führen die gestalterischen Möglichkeiten vor Augen. Das Objekt ist Ergebnis eines Wechselspiels, das dem Künstler erlaubt, in jeder Phase des Schaffens auf die Wirkung des Objektes einzugehen und sie zu modifizieren.
Das ästhetische Erlebnis fügt sich diesem fluiden Konzept ein. Der unregelmäßige Aufbau des Objekts mit den sich ausdehnende Blasen suggeriert einen fortdauernden materiellen Prozess in der eigentlich starren Materie. Das Werk erschließt sich nie vollkommen, sondern bietet eine Vielfalt von Perspektiven: Lichteinfall, Position der Betrachtenden, Farbwechsel der Überfänge und optische Effekte tragen zu dem Konzept der im Titel benannten „Metamorphose“ bei. Toplu gelingt es damit, dem Material eine charakteristische ästhetische Expressivität zu verleihen.

3. Preis: 500 € „Spule“
Künstler: Klaus U. Hilsbrecher
Begründung:
Den dritten Preis vergibt die Jury an den in Wuppertal im Jahr 1949 geborenen Künstler Klaus-Ulrich Hilsbecher. Die Spule ist nicht einfach nur ein Objekt. Sie lässt sich als kulturell aufgeladenes Zeichen lesen, das auf Handwerk oder auch Technik, auf Textiles verweist, äußerlich wie eine übergroße Garnrolle wirkt. Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen industrieller Funktionalität und metaphorischer Offenheit. Fiberglas als Material verstärkt diese Ambivalenz. Es gehört zu den klassischen Werkstoffen moderner Verbundtechnologie. Die Spule als Motiv steht exemplarisch für Speicherung und Weitergabe – sei es von Strom, Daten oder Material. In einer Gegenwart, die von Netzwerken und Kreisläufen geprägt ist, wirkt dieses Objekt fast wie ein Symbol für die Infrastruktur der Moderne. Doch gerade durch seine künstlerische Transformation verliert es seine eindeutige Funktion und wird zum Reflexionsgegenstand: Was wird hier eigentlich gespeichert? Energie, Information – oder vielleicht Bedeutung selbst? Hilsbechers Arbeit transformiert ein technisch-funktionales Objekt in ein offenes Zeichen, das Bewegung suggeriert, Zeit speichert und zugleich die eigene Materialstruktur sichtbar macht. Gerade diese Gleichzeitigkeit von industrieller Präzision und poetischer Offenheit macht den Reiz der Fiberglasarbeit aus – sie ist sowohl Objekt als auch Denkfigur.

Belobigung „Sternenfinder“
Künstlerin: Luise von Cossart
Begründung:
Die 1997 in Berlin geborene Künstlerin Luise von Cossart schlägt mit ihrem Kunstwerk
„Sternenfinder“ eine Brücke zwischen der Zerbrechlichkeit des Glases und der Tiefe des Kosmos. Durch das Spiel von Licht und Ruß fängt die filigrane Flammenarbeit die Magie der Nacht ein.Die Symbiose aus Glas und Ruß verleiht dem „Sternfinder“ eine einzigartige Textur.

Belobigung „Hartwigsdorf-Original“ und „A Moment in India-Places“
Künstlerin: Anett Tanger
Begründung: Die beiden kleinen Bildwerke „Hartwigsdorf-Origins“ und „A Moment in India-Places“ von der in 1961 in Leipzig geborenen Künstlerin Anett Tanger berühren wegen des privaten, nahezu intimen Bildsujets in Verbindung mit der diffizilen Technik Pâte de Verre. Die aus verschmolzenen Glaskröseln bestehenden, am Rand wie ausgefranzt wirkenden Glasplatten sind fragile Objekte. Ihrer physischen Verletzlichkeit entspricht die Unsicherheit der Zukunft, die dem in Sepia im Fototransferverfahren aufgetragenen Porträt des Paares innewohnt. Ist es ein Abschiedsbild des in den Krieg ziehenden Ehemannes? Auch die barfüßigen indischen Kinder evozieren Fragen. Inhalt und Technik kommen hier auf überzeugende Weise zusammen.
Glasmuseum Immenhausen
Am Bahnhof 3
34376 Immenhausen
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10:00 – 16:00 Uhr | Samstag bis Sonntag 13.00 – 16:30 Uhr
