Die Ausstellung „THE SOUL OF OBJECTS. ANGEWANDTE KUNST AUS LATEINAMERIKA“ ermöglicht – erstmals im deutschsprachigen Raum – einen konzentrierten Blick auf die beeindruckende Bandbreite der angewandten Kunst Lateinamerikas. Initiatorin ist die argentinische Journalistin und Kuratorin Lujan Camberiere, die sich zeitlebens mit dem Handwerk und Design Südamerikas beschäftigt hat. Ihre beiden Bücher „The Soul of Objects, An Anthropological View of Design“ und „Mastercraft. The Importance of Working with your Hands“ gelten in ganz Iberoamerika als wichtige Standardwerke. Ein drittes Buch zu „Ancestral Design“ ist in Arbeit.

Als Kuratorin hat sie Ausstellungen, die immer um ihr Lebensthema, das zeitgenössiche Handwerksdesign der lateinamerikanischen Länder, kreisen, in die renommiertesten Museen gebracht, vom MAD Museum in New York bis zum V&A Museum in London. Und nun ist sie mit der Ausstellung „The Soul of Objects“ im Grassi Museum für angewandte Kunst in Leipzig angekommen. Über 200 Objekte aus 14 südamerikanischen Ländern feiern hier mit ihrer erstaunlichen Vielfalt und inspirierenden Botschaft Deutschlandpremiere.

Im Zentrum der Aufmerksamkeitt stehen hier die Vielfalt der Materialien und Techniken sowie die soziokulturellen und politischen Aspekte des traditionellen und zeitgenössischen Kunsthandwerks in den lateinamerikanischen Ländern. Werke von Künstlern und Kunsthandwerkern aus aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Mexiko, Peru, Paraguay, Uruguay und Venezuela zeugen von der Vitalität und Heterogenität der angewandten Kunst in Lateinamerika. Diese Übersichtsausstellung bietet einen Einblick in die faszinierenden Kunstszenen dieses Kontinents.
Das Paradigma der Kreativen aus den unterschiedlichsten Klimazonen, Breitengraden und Landschaften des Globalen Südens basiert in ihrer Kooperation in Handwerksgemeinschaften. In Lateinamerika führt der Weg der Objektproduktion nicht über große Industrien und Technologien, sondern über den handwerklichen Weg. Und es ist diese Gabe des Schaffens mit den eigenen Händen, die den Objekten auch eine Seele verleiht. Eine Arbeitsweise, die bis vor kurzem, aus der Unsicherheit kolonialisierter Länder betrachtet, eine Quelle der Scham war.

Heute jedoch bietet sie eine sehr zeitgemässe Antwort. Eine Praxis, die sich auf den Menschen hinter dem Objekt konzentriert und den verzweifelten Ruf indigener Gemeinschaften – insbesondere aus dem Amazonasgebiet – nach Respekt für das Zuhause, das wir alle teilen, widerspiegelt: den Planeten. Ein Designansatz, der hinsichtlich der Ressourcen-Nutzung und der Arbeit den Lehren des überlieferten Wissens folgt. Nützliche, schöne Objekte mit rituellem Wert sind weitere essentielle Elemente lateinamerikanischer Gestaltung: Talismane, Masken, Altäre, Muster, die als Orakel fungieren, und Textilien, die Geschichten erzählen. Objekte, die ihre Ursprünge reflektieren um den Zeitgeist zu atmen, und die DNA der Region zu offenbaren:

Faszinierender Einfallsreichtum und Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit, Knappheit durch Recycling, Wiederverwendung und Neuinterpretation in Chancen zu verwandeln sowie eine Form der Nachhaltigkeit, die Armut durch die Schaffung inklusiver – und vor allem kollektiver – gemeinschaftsbasierter Unternehmungen bekämpft, die Netzwerke knüpft und uns bei dieser Gelegenheit einladen, ihre Techniken und Materialien zu erkunden, wobei sie uns ihre Freude, ihre Farben und vor allem ihre Magie schenken.
GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5–11, 04103 Leipzig
Öffnungszeiten: Di, Do-So, Feiertage: 10 – 18 Uhr, Mi: 10-20 Uhr, (10 Uhr: Sonderausstellung, 12 Uhr: Dauerausstellungen)
