„Awakening in Blue: Eine Ode an die Cyanotypie“ ist eine Sonderausstellung, die die Eröffnung des Nederlands Fotomuseum, des Nationalmuseums für Fotografie, im Santos-Lagerhaus markiert. Die Ausstellung würdigt die zeitlose Schönheit einer der ältesten und bekanntesten fotografischen Techniken: der Cyanotypie. Dieses tiefblaue Medium ist bekannt für seinen handwerklichen Charakter und seinen langsamen, direkten Prozess. Neben seltenen frühen Cyanotypien zeigt die Ausstellung Werke von fünfzehn zeitgenössischen Künstler*innen, die dieser Technik aus dem 19. Jahrhundert neues Leben einhauchen, indem sie sie mit neuen Medien und einer Vielzahl von Materialien kombinieren. Ihre Arbeiten setzen sich mit aktuellen Themen wie Ökologie, Kolonialismus und dem Körper als lebendigem Archiv auseinander. Die Ausstellung wurde von MAISON the FAUX gestaltet, einem niederländischen interdisziplinären Kollektiv, das für seine grenzüberschreitende Arbeit an der Schnittstelle von Mode, Performance und Installationskunst bekannt ist. Ihre Szenografie für „Awakening in Blue“ übersetzt den langsamen, sinnlichen Charakter der Cyanotypie in ein räumliches Erlebnis, in dem Licht, Schatten und Farbe ständig in Bewegung sind.

©Rotterdam City Archives
Die ersten Anwendungen der Cyanotypie-Technik bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung. Zu den Exponaten zählen mehrere frühe Werke, darunter Original-Cyanotypien des Santos-Lagerhauses, dem neuen Sitz des Nederlands Fotomuseum. Diese technischen Zeichnungen aus dem Jahr 1901 der Architekten J.J. Kanters & J.P. Stok Wzn, die im Cyanotypie-Verfahren angefertigt wurden, stammen aus dem Stadtarchiv Rotterdam und werden hier erstmals ausgestellt.
Die Ausstellung widmet zudem einer neuen Künstlergeneration große Aufmerksamkeit, die die Cyanotypie wiederentdeckt und sie in eine zeitgenössische, ausdrucksstarke Bildsprache verwandelt. Mit dieser tiefblauen Technik loten sie die Grenzen zwischen Fotografie, Textilkunst, Installationskunst, partizipativen Projekten und Multimedia aus. Durch die bewusste Wahl handwerklicher Methoden und natürlicher Prozesse schaffen sie Werke, die langsam und haptisch sind – im Gegensatz zur heutigen schnelllebigen digitalen Bildkultur. Die Cyanotypie, für die nur vier Elemente benötigt werden – Eisensalze, Wasser, Licht und eine Oberfläche –, ermöglicht eine direkte Verbindung zwischen Objekt und Untergrund, wobei Sonnenlicht, Wasser und Zeit als Mitschöpfer des Bildes wirken. Die Ausstellung ist um drei miteinander verbundene Themen herum aufgebaut, durch die die Künstler ihre persönlichen und gesellschaftlichen Perspektiven präsentieren:

Ökologie
Künstler wie Pai Dekkers, Suzette Bousema, Glithero und Anne Geene arbeiten eng mit der Natur zusammen und nutzen Cyanotypien, um das festzuhalten, was oft unsichtbar bleibt: Gezeitenrhythmen, Spuren von Pflanzen und die Zerbrechlichkeit von Ökosystemen.
Die koloniale Vergangenheit und Gegenwart
Mit der Cyanotypie als ausdrucksstarkem Medium untersuchen und interpretieren Künstler wie Farah Rahman und Sarojini Lewis koloniale Geschichten neu. Wo die Technik einst zur Dokumentation und Kontrolle diente, wird sie heute für die Wiederherstellung, den Widerstand und die Neugestaltung von Geschichten eingesetzt.

Der Körper als Archiv
In diesem Abschnitt erforschen Künstler*innen wie Shehera Grot, Rabin Huissen und Marijn Kuijper die Cyanotypie als intime Geste der Berührung und Präsenz, wobei der Körper als Träger sowohl persönlicher als auch kollektiver Erinnerungen fungiert.
Nederlands Fotomuseum im Santos-Lagerhaus am Rotterdamer Rijnhaven
Brede Hilledijk 95
1072 KD Rotterdam (NL)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis 17:00 Uhr
