Blumen sind die stillen Protagonisten von „Tisser, Broder, Sublimer – Les Savoir-Faire de la Mode“, einer Ausstellung, die bis zum 18. Oktober 2026 im Palais Galliera zu sehen ist. Sie stellt eine Verbindung zwischen Jahrhunderten von Textilien, Gesten und Träumen her. Als Leitmotiv wird die Blume zu einer Linse, durch die nicht nur die stilistische Entwicklung sondern auch die Entwicklung der Haptik selbst betrachtet werden kann – von der Kette und dem Schuss eines Brokats aus dem 18. Jahrhundert bis zum Schimmern zeitgenössischer künstlicher Blütenblätter.
Im ersten Kapitel einer Trilogie, die sich dem Know-how der Mode widmet, richtet das Museum seinen Blick auf die dekorative Kunst: Weberei, Druck, Stickerei, Spitze und künstliche Blumen, die Kleidungsstücke und Accessoires veredeln und schmücken. Hier ist die Blume mehr als nur Dekor, sie ist eine Sprache, die Epochen durchquert hat und bis heute Codes der Verführung, der Trauer, der Fantasie und der Macht vom 18. Jahrhundert transportiert.

Die Ausstellung umfasst über 350 Werke – Kleider, Accessoires, Textilproben, Fotografien, Grafiken, Werkzeuge – und zeigt die schwindelerregende Vielfalt an Techniken, mit denen sich ein einfaches Blumenmotiv in unendliche Formen verwandeln lässt. Ein einzelnes Blütenblatt kann in einen Seidenjacquard gewebt, von einem Brodeur in Pailletten neu interpretiert oder von einem Parurier Floral in Organdy modelliert werden.
Indem das Palais Galliera die Ateliers und Handwerker hinter den großen Namen der Modewelt ins Rampenlicht rückt, macht es die Hände sichtbar, die normalerweise von den Labels überschattet werden. Historische Adressen und zeitgenössische Schöpfer – von legendären Stickereien und Federverarbeitern bis hin zu jungen Designern, die eingeladen wurden, speziell für die Ausstellung Stücke zu entwerfen – treten über die Vitrinen hinweg in einen Dialog und beweisen, dass Savoir-faire ein lebendiges, atmendes Ökosystem ist undnicht nur ein statisches Erbe.
Die Szenografie regt zu einer fast meditativen Betrachtung an: Vergrößerungstische und Muster laden die Besucher ein, sich zu vertiefen, um den Verlauf eines Fadens oder die Architektur einer Knospe zu verfolgen, die sich über Tüll oder Samt entfaltet. In einem Zeitalter, das von Beschleunigung und Entmaterialisierung geprägt ist, wirkt dieses Beharren auf Langsamkeit radikal und erinnert uns daran, dass wahrer Luxus nicht das Logo ist, sondern die Geste. (Pressetext)
