Kunstparcours „Glühende Horizonte“: Allstedt bis 05.10.2025

Im Jahr 2025 wird in vielen Veranstaltungen an 500 Jahre Bauernkrieg und den 500. Todestag des Reformators Thomas Müntzer erinnert. Auch der Kunstparcours „Glühende Horizonte“ in Allstedt, initiiert von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, ist Teil der dezentralen Landesausstellung „Gerechtigkeyt 1525“ des Bundeslandes. Auf der Burg in Allstedt hielt Thomas Müntzer im März 1524 seine berühmte „Fürstenpredigt“, in der er sich mit seinen revolutionären Ideen an die Obrigkeit wandte. Der Reformator war von März 1523 an für anderthalb Jahre Pfarrer in Allstedt und setzte dort Impulse, deren nachhaltige Wirkung weit über die Ackerbürgerstadt hinausreichte.

Hermann Grüneberg „Seyt noer keck!“ keramische Installation gegenüber der Bäckerei Meyr | Foto: SvGwinner

Allstedt war Zentrum einer radikalen Reformationsbewegung, Experimentierfeld, Labor und Mikrokosmos von Müntzers Ideen. In der „Fürstenpredigt“ räumte er dem Untertan, dem gemeinen Mann, erstmals ein Widerstandsrecht ein. Sie markiert daher einen Umbruch in der Geistesgeschichte. Vom unmündigen Untertanen zum selbst bestimmten Menschen. So ist die Predigt ein Markstein für die Entwicklung demokratischer Grundrechte. Und sie ist auch der inspirierende Ausgangspunkt für den famosen Kunstparcours, der als Hotspot zeitgenössischer Kunst im Sommer 2025 sicher sehr viele Besucher den Ort Allstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz, locken wird – und auch die Qualität der Köstlichkeiten aus der  Backerei Meye am Bäckerplatz wird sich herumsprechen…

Julia Schleicher „Wolke“ – eine Gewitterwolke?
Foto: SvGwinner

Vor 500 Jahren stand Allstedt im Zentrum einer Debatte um Gerechtigkeit. Auch heute, 500 Jahre später, ist Gerechtigkeit eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Mit unserem Kunstparcours schlagen wir eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart “, sagte die Direktorin der Kunststiftung, Manon Bursian. „Die Künstler und Künstlerinnen haben sich vielfältig mit der Bedeutung von Gerechtigkeit, von Heimat, mit Zeiten des Umbruchs, Veränderungen, mit Neuanfängen, Sehnsüchten und Anführerschaften auseinandergesetzt. Sie haben Allstedt zu einem bemerkenswerten und inspirierenden Ort der zeitgenössischen Kunst gemacht.“

Luzia Werner „Justitia“ Detail | Foto: SvGwinner

Auf der etwa einem Kilometer langen Route durch das Zentrum von Allstedter können insgesamt zehn Kunstwerke entdeckt und betrachtet werden. Sie erschaffen mit inspirierenden Installationen und Skulpturen geniale Denkräume zu den Begriffen von Gerechtigkeit und Wahrheit. Ein markantes Leitsystem und kurze Einführungstexte bringen die individuellen Assoziationen der Besucher in Schwung. Gleichermaßen überraschend und überzeugend vermitteln die einzelnen Kunstwerke ihre Botschaften und es ist sicher eine gute Idee gemeinsam mit Freunden oder Familie, nach Allstedt zu kommen, denn die Anregungen für Debatten und Gespräche sind vielfältig.

In der mehrjährigen Vorbereitungszeit des Parcours, in denen die Künstler immer wieder in den Ort kamen um Impulse für ihren Interpretationen zu sammeln, entstand auch ein reger Austausch mit den Allstedter Bürgern. Der Fotograf Matthias Ritzmann hat diese Begegnungen selbst zu Kunst gemacht. Seine eindrucksvollen Porträts von über 100 Allstedtern säumen nun als große, aneinandergereihte Banner und Plakate die Strassen. Damit sorgte er für Austausch und Verbundenheit. Es entstand auch im Ort selbst eine gemeinschaftliche Bewegung durch diese Foto-Aktion mit dem Titel  „All you can meet“. Sie stellt den Besuchern mehr als 100 strahlende Gesichter vor, von Jung bis Alt.  Matthias Ritzmann selbst sieht darin einen „Spiegel von Menschsein und Lebensgeschichten“. Er sagt: „Durch das Serielle ergibt sich ein Bild von Gesellschaft, ein Bild von Vielfalt und ein Bild vom Individuum, eingebettet in einer größeren Gemeinschaft.“

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