Die Arbeiten der 25 für den Hessischen Staatspreis Nominierten werden vom 26. bis 30. Januar 2024 in einer Ausstellung anlässlich der Ambiente auf dem Frankfurter Messegelände gezeigt: Stand 3.1 J 71. Heute, am Freitag den 26. Januar 2024 wurden dann die Preisträger*innen des Wettbewerbs auf der Messe mit dem Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk ausgezeichnet. Ausgewählt wurden die glücklichen Gewinner*innen vor Ort am 25. Januar 2024 von dieser Jury: Alexandra Gerlach aus dem Hessischen Wirtschaftsministerium, Tischlerei Sommer als Preisträger des Vorjahres 2023, Britta Fröse von der Handwerkskammer Wiesbaden, Matthias Wagner K, Direktor des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt a.M. und Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverband Kunsthandwerk.
Der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk ist eine der bedeutendsten
Auszeichnungen, die Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker in Deutschland erhalten können. 1951 wurde dieser Wettbewerb vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn ins Leben gerufen, um das Kunsthandwerk zu fördern und zu besonderen Leistungen anzuspornen. Seither wurde der Preis – mit Ausnahme der Corona-Jahre 2020 bis 2022 – auf den Internationalen Frankfurter Messen vergeben.

Den 1.Preis des Hessischen Staatspreises für das deutsche Kunsthandwerk 2024 erkannte die begeisterte Jury einstimmig dem freischaffende Künstler, Schreiner, Drechsler und Holzbildhauer Christoph Leuner (geb. 1956), zu:
„Hohl-Körper drechselt er schon lange. Dosenobjekte, in denen Dinge aufbewahrt werden können, die für den Besitzer oder die Besitzerin eine besondere Bedeutung haben. Das können ganz reale Objekte sein, aber auch Gedanken, Wünsche und Ideen.
Seit relativ kurzer Zeit gibt es die Hohl-Körper Serie #12, die auf der Ambiente zu sehen ist. Sie setzt sich mit der Frage auseinander, ob das Aufbewahren von bedeutungsvollem Inhalt auch ein wertvolles Material des Gefäßes verlangt. Oder anders gefragt: Kann ein eher preiswertes, zweitrangiges Material auch zum Hüter und Träger von Bedeutungen werden?
Für die Dosen dieser Reihe wurden Spanplatten und MDF-Platten miteinander verleimt und dann von Hand gedrechselt. Dieses eher einfache Material künstlerisch so zu bearbeiten, dass die haptischen und ästhetischen Reize hervortreten, war eine spannende Herausforderung.“ (Begründung der Jury)

Der 2.Preis des Hessischen Staatspreises für das deutsche Kunsthandwerk 2024 ging an den Gold- und Silberschmied Philipp Gröninger (geb. 1984), der 2015 seine Berufsausbildung mit dem Meister abschloss und 2022 seine Werkstatt in Caan im Westerwald einrichtete.
„Kennen Sie das? Sie sehen ein Objekt und möchten es sofort haben. Es zieht sie einfach magisch an. Das Exponat, das mit dem zweiten Preis des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk 2024 ausgezeichnet wurde, hat genau diese Qualität. Die handgeschmiedete silberne Kaffeepresse mit dem hölzernen Griff besticht durch ihre gradlinige Formensprache und ihr modernes Design. Elegant und trotzdem nicht mit dem Nimbus des unberührbaren Silbers schreit sie gerade danach, in einer edlen Küche zum Einsatz zu kommen.
Gefertigt wurde sie von einem Gold- und Silberschmiedemeister, der bereits früh in die Fußstapfen seines Vaters trat und schon als kleiner Junge seine eigene Werkbank hatte. Seither beschäftigt er sich kontinuierlich mit der Arbeit mit Edelmetallen und schafft anspruchsvolle Designstücke für die feine Tafel.“ (Begründung der Jury)

Die Jury sprach sich einstimmig dafür aus, den 3.Preis des Hessischen Staatspreises für das deutsche Kunsthandwerk 2024 an die Handweberin Dora Herrmann (geb. 1965) aus Bredenbeck zu vergeben um damit explizit auf das wichtige Thema einer achtsamen und regionalen Produktion aufmerksam machen.
„Eine Decke ist ein Textil, das uns in einem Stück komplett umhüllen kann. Sie bietet uns Schutz und ist eine Art Zuhause zum Mitnehmen. Die Decke, die im Wettbewerb ausgezeichnet wurde, ist aber noch in anderer Weise mit dem Begriff „Zuhause“ verbunden. Sie entstand im Rahmen einer Kooperation, die unter dem Label „gemeinsam regional“ firmiert.
In dieser Kooperation arbeiten drei Frauen zusammen, die im Umkreis von 20 Kilometern in der Peripherie von Hannover leben: eine Züchterin von rauwolligen Pommerschen Landschafen, die Inhaberin der „kleinen Spinnerei“, die die Schafwolle zu einem mitteldicken, zweifädigem Garn verarbeitet, und eine Handweberin, die aus dem Material mit seiner eigenwilligen Struktur eine Decke webt, in der sich der Farbenreichtum der kleinen Herde widerspiegelt.
Dazu muss man wissen, dass in Deutschland im Grunde kaum noch Garne produziert werden. Regionale Wolle wird in der Regel als wertloser Abfall entsorgt und maximal als Dünger verwendet. Die preisgekrönte Decke zeigt, dass das auch anders geht. Aus heimischer Wolle kann durchaus ein hochwertiges, regionales Material und ein ganz besonderes langlebiges und nachhaltiges Produkt entstehen.“ (Begründung der Jury)

Den Förderpreis des Hessischen Staatspreises für das deutsche Kunsthandwerk 2024 sprach die Jury der Gestalterin Emma Brix (geb. 1997) für ihre absolut gelungene Mischung von Kunsthandwerk und Design zu, die ihr in der Entwicklung ihrer „Luftschlösser“ Objekte gelingt.
„Es gibt Produkte, die eigentlich jeder kennt. Die traditionellen erzgebirgischen Weihnachtspyramiden sind eindeutig ein solches Produkt. Man mag sie oder mag sie nicht. Sie stehen zur Weihnachtszeit in vielen Wohnungen: Ein bisschen altbacken, ein bisschen traditionell, ein bisschen heimelig.
Da muss schon eine junge Designerin mit einem unverstellten, frischen Blick kommen, um aus diesem Produkt etwas zu machen, das einfach nur hinreißend ist. „Luftschlösser“ hat sie ihre Arbeit genannt, die die Faszination der Weihnachtspyramiden aufgreift und doch in einen neuen Kontext setzt. So drehen sich anstelle von Figuren kleine reifengedrehte Häuser wie von Zauberhand durch Torbögen hindurch.
Die Luftschlösser entstehen in Kooperation mit der Firma Emil A. Schalling aus Seiffen. Sie können das ganze Jahr hindurch zum Einsatz kommen, brauchen nicht einmal Kerzen, sondern können auch auf der Fensterbank oder dem Kaminsims stehen. Schon der kleinste Luftzug setzt die „fliegende Stadt“ in Bewegung.
Emma Brix hat 2023 ihr Bachelor-Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle abgeschlossen und 2021 ein Praktikum als Gestalterin bei Emil A. Schalling KG Erzgebirgisches Kunstgewerbe in Seiffen absolviert. “ (Begründung der Jury)
Im Jahr 2024 fand die Verleihung des Hessischen Staatspreises für das deutsche Kunsthandwerk bereits zum 72. Mal statt. Die Preisgelder, die in diesem Jahr auf insgesamt 13.000 Euro erhöht wurden, stellt das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen zur Verfügung.
Ziel des Staatspreises ist es nach wie vor, einen Anreiz für besonders kreative Leistungen zu schaffen. Ausgezeichnet werden sollen Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker, die vor allem durch eigenständige Gestaltungsansätze, durch Innnovation, Beherrschung von Material und Technik sowie ein überzeugendes Gesamtbild ihrer Arbeiten auf sich aufmerksam machen.
Organisiert wurde die Ausstellung der Nominierten durch den Bundesverband Kunsthandwerk in Frankfurt. Die Texte der Jury verfasste Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk und Jurymitglied.
Ausstellung Ambiente Messe Frankfurt a.M. Stand 3.1 J 71
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