Für den tschechischen Glaskünstler Jan Exnar ist das Material Glas genauso faszinierend wie das Weltall. Ermögliche es doch, wie beim Blick in den Nachthimmel, die Durchlässigkeit der Gedanken. Jan Exnars farbenkräftige Skulpturen bestechen durch strenge Formen und geniale Schlichtheit.

Wie zerklüftete Landschaften muten die Glasskulpturen mit ihren Zacken und Kanten an. Strenge Formen gepaart mit genialer Schlichtheit. Mystisch leuchten sie in kräftigen Farben. Glaskünstler Jan Exnar liebt das Spiel mit Formen und Farben bei seinen Plastiken. Unzählige Bläschen scheinen in seinen Werken zu schweben – wie Himmelskörper im kosmischen Raum. Ausdruck der Unendlichkeit des Weltalls. Denn die Transparenz des Glases ermögliche, wie beim Blick in den Nachthimmel, die Durchlässigkeit der Gedanken, sagt er. „Nur aus unserer Sicht ist Glas fest und unbeweglich“, stellt Jan Exnar fest „aber der kosmische Raum ist nicht statisch.“ Das Universum sei in Bewegung, dehne sich aus, ziehe sich zusammen, fließe über. Und so sei es auch mit Glas.
Jan Exnar wurde 1951 in Havlíčkův Brod, in der damaligen Tschechoslowakei, geboren. Eigentlich wollte er Maler werden und begann mit fünfzehn Jahren seine Ausbildung an der Glasfachschule in Železný Brod. Dann aber galt seine Begeisterung ausschließlich dem faszinierenden Material Glas, das er dort unter der Leitung von Professor Pavel kennenlernte. „Das Brummen des Ofens, der Geruch der Holzformen, der Rhythmus der Arbeit unter der Anleitung erfahrener Meister, und das schon ab fünf Uhr morgens. In vier Jahren Studium setzten wir unsere ersten künstlerischen Entwürfe um, konnten Trinkgläser blasen. Die Atmosphäre in der Glashütte, wo wir lernten, die Teamarbeit, die bei der Glasherstellung unumgänglich ist – all das bleibt mir unvergesslich“, erinnert er sich.

Nach seiner Ausbildung an der Glasfachschule ging Jan Exnar 1970 nach Prag. Dort studierte er an der Akademie für Kunst, Architektur und Design bei dem renommierten Professor Stanislav Libenský. Von ihm ließ er sich die „Seele von Glas“ vermitteln. Und um die zu erkennen, bedürfe es vor allem der Beherrschung der Techniken, betont Jan Exnar. „Ein Tänzer, der seinen Körper nicht beherrscht oder ein Sänger seine Stimme nicht“, sagt der Künstler, „kann das, was ihm durch den Kopf geht, nicht vermitteln.“ Und so müsse auch der Künstler die Eigenschaften von Glas genau kennen und wissen, was geht und was nicht. Doch selbst dann bliebe die Arbeit mit Glas immer ein Abenteuer – auch bei sorgfältigster Vorbereitung und noch nach jahrelanger Erfahrung, ist Exnar überzeugt.
Das gelte etwa für die Auswahl der Farben. Ob warme Töne, wie das bei Exnar vorherrschende tiefe Gelb. Oder kühle Farben, wie ein kräftiges Kobaltblau, dem der Künstler eine magische Kraft zuschreibt. Außerdem liebe er Kristall, das „unter auffallendem Licht zu leuchten beginnt und das Studio in zarte Farben hüllt“, sagt er.
Bestechende Schlichtheit und strenge Formen sind charakteristisch für seine Skulpturen. Denn das „Geschwätzige und Weitschweifige“ sei nicht sein Stil. „Sechs, sieben Worte eines Dichters“, ist er überzeugt, „können einen Menschen mehr für sein ganzes Leben prägen als ein Berg von üppig gemeißeltem Marmorstein.“ Ein Künstler, der das menschliche Maß verliere und seinen Atem nicht mehr hören könne, der sei verloren, meint Jan Exnar.

Zu einer bedeutenden Phase seines Schaffens gehörte die Zugehörigkeit zur Gruppe Rubikon, die 1997 gegründet wurde. Sie formierte sich um Ivo Křen, den Grafiker, Publizisten und Kurator der Sammlungen für angewandte Kunst des Ostböhmischen Museums in Pardubice. Wie der Name Rubikon besagt, wollten die Künstler gestalterische Grenzen überschreiten. Glas sollte nicht ihr ausschließliches Medium sein; sie arbeiteten auch im Bereich von Malerei und Bildhauerei. Genre übergreifend organisierten sie Ausstellungen in Tschechien und anderen europäischen Ländern. Der frühe Tod Ivo Křens im Jahr 2020 gebot den Aktivitäten von Rubikon Einhalt, doch für Jan Exnar gehören die Jahre der Zusammenarbeit in der Gruppe zu den besten in seinem persönlichen und beruflichen Leben: „Es gab nichts Schöneres als die Ausstellungen in Island, Frankreich, Deutschland oder Prag; ebenso die Malaufenthalte auf Kreta oder in den Alpen.“
In Erinnerung an seine Studienzeit würde Jan Exnar eines Tages gern wieder die Glasmalerei aufnehmen. Es ist diese Liebe zur Kunst, die ihn antreibt. Aber es ist nicht immer leicht, ihr nachzugehen, denn: Die Kosten eines Glasstudios sind gewaltig; die Gelder dafür müssen erst einmal aufgebracht werden. Doch Jan Exnar hat seinen Weg gefunden: „Alles, was das Leben kompliziert macht, brauche ich nicht; das lenkt nur von den wahren Werten ab. Was ich aber nicht im Leben missen möchte, sind Bleistifte, am besten 6B, gutes Papier und einen Korkenzieher.“ (Pressetext: Aus dem Interview von Uta M. Klotz mit Jan Exnar, Übersetzung und Textbearbeitung: Petra Reategui)
Achilles-Stiftung
Fuhlsbüttler Str. 415a
22309 Hamburg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, an Feiertagen bleibt das Museum geschlossen.
