Der Mond hinter den Wolken. Die Ästhetik der japanischen Teekultur: Herrnhut vom 04.07. bis 06.02.2022

Zahlreiche Elemente, die wir als typisch japanisch betrachten, haben sich im Laufe der Jahrhunderte aus einer vom Zen-Buddhismus inspirierten Ästhetik heraus entwickelt. Untrennbar damit verbunden ist die Teekeramik aus Japan. Die Sonderausstellung in Herrnhut zeigt Teeschalen aus Japan, Korea und China sowie umfangreiches Zubehör, welches bei einer traditionellen Zusammenkunft im Teehaus verwendet wird. Japanische Rollbilder und Beispiele zeitgenössischer, regionaler Keramik ergänzen die Präsentation.

„Den Mond ohne vorüberziehende Wolken mag ich nicht“, schrieb der japanische Teemeister Murata Jukô (1423–1502) und formulierte damit ein heute noch gültiges ästhetisches Ideal des japanischen Teeweges. Nicht das Elegante, Glatte und Leuchtende, sondern das scheinbar Schlichte ist Schönheit. Daraus erwächst die Faszination für Schönheit durch Gebrauch, welche ihren Ausdruck in der Wertschätzung von Abnutzung, Patina oder mit Goldlack reparierten Bruchstellen findet. Dieses für westliche Kulturen ungewohnte ästhetische Ideal gipfelt zum Beispiel in der Faszination für die Schönheit des Weißraums einer Tuschezeichnung.

Eine starke Verbindung mit der intuitiven Wirklichkeitserfahrung des Menschen und des ihm umgebenden Naturgefühls spiegelt die japanische Teezeremonie wider. Im chadō – dem Teeweg – zeigt sich die Vereinigung von ausgeprägter Gastfreundschaft und einem hochentwickelten Kunstverstand. Verschiedene Kunstgattungen kommen hierbei zum Ausdruck: neben Malerei und Schriftkunst, Metall-, Holz-, und Lackarbeiten ist es vor allem die spezielle Keramik, welche höchste Wertschätzung erfährt. Die Teegerätschaften folgen dabei der Wabi-Sabi-Ästhetik des Schlichten und Vergänglichen.

Gezeigt wird auch zeitgenössische europäische Keramik, die sowohl die Ästhetik als auch Brenntechniken aus Japan aufgreift: Die Neigung zur Asymmetrie ist oft gepaart mit einem hohen Abstraktionsgrad des Dekors sowie Herstellungsspuren. Dabei werden etwa beim Brennen zufällig entstandene Ascheanflugglasuren und Glasurverläufe ebenso wie aufgeschmolzene oder geborstene Einschlüsse sehr hoch geschätzt. Diese Objekte stammen aus der Werkstatt des Berliner Künstlers Thomas Riedinger sowie des Keramikers Hendrik Schöne aus Wittgendorf.

Völkerkundemuseum
02747 Herrnhut
Goethestraße 1