Stühle- nur für Kinder: Leipzig bis 03.10.2021

In der Orangerie des GRASSI Museums für Angewandte Kunst erwartet den Besucher eine anrührende Designgeschichte im Kleinformat! Anhand von Kinderstühlen, vom ramponierten Allerweltsmodell zum edel gealterten Biedermeierstühlchen, vom Thonet-Schaukelstuhl im Miniaturformat bis zu den jüngsten Designkreationen, von großen Namen für kleine Leute bis zu Pädagogiktrends verratenden Schulmöbeln, kann man sich auf eine Zeitreise durch die Designgeschichte westlicher Zivilisationen begeben. Das macht Spass und berührt, denn man stösst auf viele alte Bekannte.

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Armlehnstuhl, China, um 1840, Buchsbaumholz

Am Rande der Designgeschichte und damit auch der Schau bereichert eine kleine Auswahl wunderschöner Kinder-Stühle – einige davon besser als kleine Throne zu beschreiben – aus Afrika,  Asien und Mittelamerika die Ausstellung. Mit ihren eigenwilligen Entwürfen schlagen sie den Bogen zur benachbarten Ausstellung „Cultural Affairs“, in der es um den Austausch der globalen Kulturen in Gestaltung, Design und Handwerk geht, ohne allerdings in die chronologische Ausstellungschoreographie  der europäischen Designgeschichte der „Stühle – nur für Kinder“ Schau eingebunden  zu sein. Sehr konsequent, denn sie sprechen die authentische und faszinierend  kreative Gestaltungssprache ihrer eigenen Kulturkreise, die zwar den Dialog der Kulturen durchaus offenbart ohne aber unabdingbar Teil der Designkontinuität westlicher Indistrieländer zu sein. (SvG)

Grassi_Kinderstuehle_Ausstellg_SvGwinner_8662„Stühle sind mehr als „Sitzgelegenheiten“. Sie sind Ruhezone, Arbeitsplatz, Spiel- und Designobjekt. Die besonderen Anforderungen für die Nutzung durch Kinder bringen eigene Herausforderungen mit sich: Anatomie, Bewegungsfreiheit, Funktionsvielfalt und Sicherheit stehen beim Design von Kindermöbeln heute an erster Stelle. Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in seiner aktuellen Sonderschau rund 130 Kinderstühle von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu aktuellen Modellen. Der Großteil stammt aus der Privatsammlung von Gisela Neuwald aus München zuzüglich einiger Modelle aus dem museumseigenen Bestand.

Grassi_Kinderstuehle_Ausstellg_SvGwinner_8666Die Sammlerin Gisela Neuwald hat in über 30 Jahren nahezu 400 Kinderstühle aus der ganzen Welt zusammengetragen. Mit vielen davon lebt sie in ihrer Münchner Wohnung – sie dienen als Hocker, Nachttisch, Ablage für Bücher, Handtaschen oder andere Dinge, aber natürlich auch als Sitzgelegenheiten für ihre Kinder und Enkelkinder. Anlass des Sammelns war ein traumatisches Kindheitserlebnis, bei dem ihr ein Stuhl das Gefühl der Sicherheit gab. Daher steht für Gisela Neuwald auch das Miteinander von Stuhl und Kind im Mittelpunkt ihres Interesses. Ihre Sammlung sieht sie als „Metapher für eine kleine Gesellschaft aus Hoffnungsträgern“.

Grassi_Kinderstuehle_Ausstellg_SvGwinner_8675Der Kinderstuhl an sich nimmt in der Geschichte des Designs eine besondere Rolle ein. Während der Gebrauch von Sitzmöbeln für Erwachsene historisch sehr weit zurückreicht, finden sich speziell für Kinder hergestellte Sitzmöbel erst seit dem 19. Jahrhundert. Ein Pionier auf diesem Sektor war die Firma Thonet mit ihren seit 1860 hergestellten Kinderstühlen aus gebogenem Buchenholz. In den Grundformen entsprachen die frühen Kinderstühle zunächst den Modellen der Erwachsenen. Ein Prinzip, das bis heute auch bei Designikonen angewendet wird. Parallel dazu hat sich aber eine Spezialisierung entwickelt, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden versucht: Sei es als Kindergarten-, Schulmöbel oder als Sitzmöbel im privaten Bereich.Die Entwicklung der Kunststoffmaterialien beförderte seit den 1960er Jahren zusätzlich die Kreativität bei der Gestaltung von Kindermöbeln. Heute spannt sich der Bogen zwischen preiswerten Kunststoffmöbeln, multifunktional einsetzbaren Kinderstühlen, nachhaltig produzierten Modellen bis hin zu teuren Design-Ikonen fürs Kinderzimmer. (Pressetext)

GRASSI Museum für Angewandte Kunst |  Johannisplatz 5-11 | 04103 Leipzig

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Fotos: Schnuppe von Gwinner | Blicke in die Ausstellung