Rhétorique du Lobe: Lissabon vom 26. bis 31.12.2016

© Terhi Tolvanen (FIN), "Blue cactus". Wood, pearls, metal

Ohrschmuck als Objekt der Begierde und des Vergnügens – diese Faszination illustriert die portugiesische Galerie Reverso mit Ihrer Ausstellung zum Jahresende:  “La Rhétorique Du Lobe” kuratiert von Ilona Schwippel, Galerie Viceversa/ Genf. Damit bietet sie die Gelegenheit experimentellen und provokanten Schmuck ausgewählter Schmuckautoren zu kennen zu lernen und zu probieren. Mit dabei sind Schmuckstücke von Anna Gleeson ( AUS), Kiko Gianocca (CH), Marc Monzó (ES), Stephanie Jendis (DE), Pia Farrugia (CH), Leonor Hipólito (PT), Garance Brandely (CH), Bettina Speckner (DE), Terhi Tolvanen (FIN), Luzia Vögt (CH), Inari Kiuru (AUS), Fabrice Schaefer (CH), Beate Klockmann (DE), Sophie Bouduban (CH), Herman Hermsen (NL), Sonia Morel (CH), Philip Sajet (NL), Christian Balmer (CH), Julia Weisbrod (DE), Sophie Hanagarth (CH), Etsuko Sonobe (JP), Julie Mollenhauer (NL).

Von aussen betrachtet ist der angezogenen Körper verhüllt, den Blicken verborgen. Die strahlenden und tanzenden Ohrringe bieten einen Gegensatz zu dieser Verborgenheit, als Eycatcher werben sie um die Aufmerksamkeit des Gegenübers, des Betrachters.

Die Nähe zum Gesicht erteilt dem Ohrschmuck eine kommunikative Funktion. Das Gesicht ist eigentlich der einzige Teil des Körpers der in unserer westlichen Kultur niemals verhüllt wird. Als Manifestation der persönlichen Identität vermittelt der Schmuck konzentrierte Informationen über das Individuum. Sprachlos, nur durch die geringste Kopfbewegung, die sich in seiner Bewegung steigert, durch sein Volumen oder seinen Glanz.  Ohrschmuck intensiviert den Gesichtsausdruck obwohl er für seine/n Träger/in selbst nicht sichtbar ist. Darum bietet er einen Reichtum an Möglichkeiten symbolischer Interpretation.Im Portugiesischen nennt man Ohrringe “brinco”, ein Wort, das von  “brincar”abstammt, spielen, nahe den etymolischen Termini ”oaillerie” und “joyau” im Französischen, auch verbunden mit dem Begriff des Spielens, als ein Objekt des Vergnügens.(Text in freier Anlehnung an einen Text  von Elizabeth Fischer und Ilona Schwippel für das Forschungsprojekt“Equipbody”, publiziert in Au corps du sujet, Ausgabe 33, HEAD – Genève 2016.

Galeria Reverso, Rua da Esperança, nº 59/61 1200-655 Lisboa

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