Zwei Räume für sich allein – Wiebke Meurer: Erfurt, 21.08. bis 09.10.2016

Wiebke Meurer (CH) – Dark Beauties Versilbertes Kupfer, Porzellan, Schmetterlinge, Galvanotechnik.

Eine Ausstellungsreihe der Kunsthalle Erfurt auf Schloss Molsdorf 2016
Kuratiert von Silke Opitz

Maria von Gneisenau (1873 Mettmann/Elberfeld – 1926 Berlin) erwarb Schloss Molsdorf 1909 nach ihrer Scheidung vom Urenkel des berühmten Generalfeldmarschalls. Die zweifache Mutter betrieb den Umbau des Anwesens als künstlerisches Projekt, das ihr half, eine Sinn- und Lebenskrise zu überwinden. Davon künden vor allem zwei einmalige Wohnräume, mit deren Entwurf und Ausführung die Gräfin 1909 Paul Schultze-Naumburg und die Saalecker Werkstätten beauftragte: ein kostbar ausgestattetes Marmorbad und ein fantastisch-fantasievoll dekorierter Ruheraum, der mit einem Aquarium vor dem hohen Fenster weniger an eine Grotte als an den Meeresgrund erinnert. 1914 ließ die Gneisenau ferner den Pavillon im Schlossgarten zur Automobilgarage umbauen und übertrug das an sich schon bemerkenswerte Vorhaben noch dazu einer Frau: Emilie Winkelmann gilt als erste freie deutsche Architektin überhaupt.

Mit der Ausstellungsreihe Zwei Räume für sich allein wird der Versuch unternommen, neben der Biografie die Persönlichkeit Maria von Gneisenaus als Schriftstellerin und sich emanzipierende Frau zu fassen und durch zeitgenössische künstlerische Ansätze und Medien zu reflektieren. Eine Kabinettschau wird Einblicke in ihr Leben und literarisches Schaffen vermitteln. Die Gräfin war Harry Graf Kessler im Berliner Haus ihres Halbbruders Karl von der Heydt begegnet, mit Rainer Maria Rilke bekannt und mit Sophie Hoechstetter befreundet. Dank der Leihgaben ihrer Nachfahren und des Schweizerischen Literaturarchivs in Bern können erstmals entsprechende historisch-persönliche Dokumente und Publikationen gezeigt werden.

Parallel dazu finden im sogenannten Turmzimmer – das im Ostflügel des Schlosses unmittelbar an das Marmorbad der Gräfin anschließt – wechselnde Einzelausstellungen internationaler zeitgenössischer Künstler/innen und Designer/innen statt. Gouachen, Collagen, Silberobjekte und Installationen von Delphine Courtillot, Jorge Chamorro, Wiebke Meurer und Sarah Westphal wurden sorgsam auf den historischen Ort und Kontext hin ausgewählt oder sogar eigens dafür entwickelt. Mit den Einzelausstellungen der genannten Künstler/innen werden Zeitschichten und Atmosphären, die sich in Wohnräume einschreiben, das durchaus modebewusste und literarisch inspirierte Aus- und Anprobieren verschiedener weiblicher Rollen und Identitäten, eine bisweilen dekadente Vorliebe für alles Dekorative sowie das Aufbrechen von Geschlechterbildern thematisiert – Umstände, Eigenschaften und Phänomene, die für Maria von Gneisenau als ehemalige Besitzerin von Schloss Molsdorf charakteristisch waren. Bis heute haben diese nichts an Faszination und Aktualität verloren.

Anlässlich der Ausstellungsreihe Zwei Räume für sich allein wird neben dem seit 2002 der Öffentlichkeit zugänglichen Marmorbad auch die Ruhenische oder das Aquarium-Zimmer als zweiter erhaltener Molsdorfer Raum der Gräfin im Rahmen von Sonderführungen temporär zu besichtigen sein.(Pressetext)

Eine Publikation, die neueste Forschungsergebnisse zu Leben und Wirken der Gräfin wie zur Baugeschichte ihrer beiden Molsdorfer Schlossräume enthalten und auch die aktuellen künstlerischen Positionen vorstellen wird, soll die Ausstellungsreihe begleiten und kann über die schlossverwaltung.molsdorf@erfurt.de erworben werden.

Thematisch relevante Vorträge und Führungen werden ebenfalls angeboten.

So, 9. Oktober um 13 Uhr Kuratorenführung und 16 Uhr : Zwei Räume für sich allein – und
 von Paul Schultze-Naumburg: 
 Ein konservativer Architekt des frühen 20. Jahrhunderts Dr. Ralf-Peter Pinkwart 
(Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)

Schlossmuseum Molsdorf, Schlossplatz 6,  
D-99094 Erfurt

Öffnungszeiten: Di–So, Feiertags 10­–18 Uhr

Hinweis: craft2eu präsentiert ausgewählte Arbeiten von Wiebke Meurer auch auf der GASSIMESSE 2016 vom 20. bis 23.190.2016