Mit Kunst Hand Werk Brücke widmet das Brücke-Museum dem kunsthandwerklichen Schaffen der Brücke eine umfassende Ausstellung. Bisher wurde dieser Werkbereich der Künstlergruppe kaum erforscht und selten ausgestellt. Mit dem großangelegten Forschungsprojekt, das neben einer Ausstellung die Digitalisierung des eigenen Bestandes und eine umfangreiche Publikation umfasst, will das Brücke-Museum diesem Desiderat begegnen und geht dabei neue Wege der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Kunst. Inszeniert werden die vielfältigen Arbeiten aus Holz, Metall und Textil in drei Materialräumen, die von Andrea Faraguna, Jerszy Seymour und Kasia Fudakowski und Santiago da Silva gestaltet wurden.

Die umfangreiche Ausstellung im Brücke-Museum verdeutlicht anhand von rund 170 Werken, wie radikal die Künstlergruppe Kunst und Leben zusammen dachte. Auch in diesem Schaffensbereich zeigt sich der charakteristische Stil, für den die Brücke in ihren Grafiken und Gemälden bekannt sind: Schnell, direkt und die Lust am Experiment. Von dem Bett, das Ernst Ludwig Kirchner aufwendig schnitzte, über ein Kissen, das Karl Schmidt-Rottluff mit abstrakten Formen nähte, bis zu einem aus Silberblech gehauenen Pfau auf einer Brosche Erich Heckels – der Gestaltungswille der Brücke-Künstler kannte keine Grenzen. Sowohl in Dresden als auch in Berlin gestalteten die Künstler ihre Räume als Gesamtkunstwerke mit Wandmalereien, Textilien, selbstgemachten Möbeln und Skulpturen. In dieses Zusammenspiel von Kunst, Handwerk und privatem Lebensraum bietet die Ausstellung einen unmittelbaren Einblick.
Ausgangspunkt der Präsentation bildet der umfängliche eigene Museumsbestand mit mehreren bedeutenden Neuerwerbungen, der durch herausragende Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen ergänzt wird. Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist Kirchners Bett für Erna Schilling aus dem Kirchner Museum Davos, das seit 1968 nur äußerst selten außerhalb der Schweiz gezeigt wurde.

Dass die angewandten Werke der Brücke bislang wenig Beachtung fanden, liegt unter anderem daran, dass Kunsthistoriker*innen und Kurator*innen oft die notwendigen handwerklichen Kenntnisse fehlen, um eine angemessene Bewertung vorzunehmen. Ein zentrales Anliegen des Ausstellungsprojekts war daher, wissenschaftliche Expertise mit handwerklicher Praxis zu verbinden, wofür das Kuratorinnenteam eng mit drei Expert*innen aus der Praxis zusammenarbeitete: dem Tischler, Drechsler und Holzrestaurator Valentin José Kammel, der Schmuckdesignerin Elisabeth Schotte und der Textilkünstlerin Lisa Reichmann. So absolvierten die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftlerinnen in Vorbereitung der Ausstellung, u.a. Christiane Remm bei Elisabeth Schotte und Lisa Marei Schmidt bei Valentin José Kammel, praxisorientierte Workshops, um sich mit den handwerklichen Prozessen vertraut zu machen. Dieser intensive Austausch führte zu wichtigen neuen Erkenntnissen: Erstmals konnten die Holzarten der Werke bestimmt, Fragen der Autor*innenschaft präzisiert oder Technikangaben korrigiert werden.

Die Ausstellung folgt dem kunsthandwerklichen Schaffen der Brücke-Künstler anhand der von ihnen verwendeten Materialien. So bilden – nach einem Blick auf die Anfänge der Brücke im Bereich des Angewandten – Holz, Metall und Textil den konzeptuellen Rahmen des Ausstellungsrundgangs. Dabei geraten sowohl die Herstellungsprozesse als auch die Entstehungskontexte in den Fokus und offenbaren handwerkliches Können und Experimentierfreude der Künstler. Den Materialien sind einzelne Räume gewidmet, für deren Gestaltung unterschiedliche Designer*innen eingeladen wurden: Auf die minimalistische Vitrinenlandschaft des Architekten Andrea Faraguna für die Objekte aus Metall folgt eine eindringliche Rauminszenierung des Designers Jerszy Seymour für die Werke aus Holz. In einer raumgreifenden Paraventstruktur der Künstlerin Kasia Fudawoski und des Grafikdesigner Santiago da Silva werden Arbeiten aus Textil frei im Raum präsentiert.
Brücke-Museum
Bussardsteig 9
14195 Berlin
Öffnungszeiten: Mittwoch – Montag: 11 – 17 Uhr, Dienstags geschlossen
Begleitend zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag im April 2026 ein umfangreicher Katalog, herausgegeben von Lisa Marei Schmidt und Aya Soika und gestaltet von Julia Born. Der deutsch-englische Band versammelt Beiträge von Lucie Blind, Valentina Bay, Katia Baudin, Henrike Hauk, Natascha Hellwag, Ann-Kathrin Hörrlein, Anika Reineke, Christiane Remm, Lisa Marei Schmidt, Aya Soika sowie Daniela Bystron und Ximena Gutiérrez Toro. Er vereint kunsthistorische Essays, materialkundliche Analysen sowie Interviews mit Praktiker*innen. Mit rund 450 Abbildungen auf 380 Seiten erschließt er das kunsthandwerkliche Schaffen der Brücke umfassend.
