Alljährlich, im Frühjahr, lockt die Internationale Handwerksmesse München mit ihren attraktiven Sonderschauen SCHMUCKmünchen, TALENTEmünchen, EXEMPLAmünchen ihre Afficionados aus aller Welt herbei. Insbesondere für die Liebhaber von Schmuckkunst und Autorenschmuck wird sie zum internationalen Epizentrum. Über die ganze Stadt verteilte Ausstellungen und Schmuck-Events präsentieren originelle, außergewöhnliche Schmuckstücke, Konzepte und Bücher.

Hier treffen sich die bewunderten Koryphäen der Community ebenso wie die gerade eben mit dem Schmuck-Virus infizierten Studierenden internationaler Schmuckschulen und Akademien. Eine einzigartige Stimmung liegt in der Luft, in der aufmerksame Zugewandtheit und Emotionalität die Begegnungen bestimmt. Begeistert feiert sich die internationale Schmuckfamilie und lässt natürlich auch den Gossip blühen – wie im richtigen Leben, dessen Realitäten in diesen Tagen in den Hintergrund rücken.

So allgegenwärtig und freundlich wie die Frühlingssonne überstrahlt auch der Ruf der Danner-Stiftung das Geschehen der Messewoche 2026. Sie ist als Sponsorin, Ermöglicherin, Initiatorin an mehreren Stellen präsent. Und Anlass, mich mit dem seit 2023 amtierenden geschäftsführenden Vorsitzenden der Danner-Stiftung, Dr. Markus Eder, zum Gespräch zu treffen. Er ist gleichzeitig Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung Mittelstand, Handwerk, Handel, Freie Berufe im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Sein politisches Amt als Entsandter der Bayerischen Staatsregierung ist, von jeher, mit dem Vorsitz der Danner-Stiftung verknüpft. Ein klares Zeichen für die Bedeutung der Stiftung die 1920, als „Benno und Therese Danner’sche Kunstgewerbestiftung“, von der Witwe Therese Danner zum Gedenken an ihren verstorbenen Gatten eingerichtet wurde. Damals überzeugte sie der Hofgoldschmied Karl Rothmüller erfolgreich davon, die Stiftung der Förderung des Kunsthandwerks zu widmen. Über hundert Jahre schon geschieht dies nun auf vielfältigste Weise, meist diskret und ohne viel Aufhebens, die bayerischen Handwerkskünste im Fokus und immer sehr willkommen.
Mit dem Vorsitz von Markus Eder wird es mehr Öffentlichkeit geben. Er sieht die Notwendigkeit zu mehr Engagement, Kooperation und Kommunikation. „Zeitweise haben wir eigentlich wenig Neues gemacht und unsere Angebote auch nicht aktiv kommuniziert. Das war auch der wirtschaftlichen Situation geschuldet. Doch inzwischen sind die finanziellen Voraussetzungen erfreulicherweise gegeben, sodass die Stiftung, gut aufgestellt, mehr Dynamik entfalten kann – und auch muss, um auf Dauer relevant zu bleiben. Dabei dürfen wir uns nicht auf finanzielle Förderungen Einzelner beschränken, sondern wir müssen auch ideeller Botschafter für das gestaltende Handwerk sein: mit Ausstellungen, mit Veranstaltungen, mit Hilfe der modernen Kommunikationsmedien.“
„Es macht Freude, etwas zu gestalten, in neue Welten einzutauchen, neue Einflüsse und Energien zu spüren“, erklärt Markus Eder. „Anders als in der Beamtenfunktion, in der alle Prozesse sehr kompliziert sind, kann man als private Stiftung vergleichsweise schnell handeln und Neues auf den Weg bringen.“ Viermal jährlich trifft sich der Vorstand der Danner-Stiftung um Ideen, Strategien und Entscheidungen zu beraten.

Eine aktualisierte Corporate Identity charakterisiert heute die Kultur und Kommunikation der Danner-Stiftung. Im vergangenen Jahr ging eine inhaltlich neu strukturierte und gestaltete Homepage online. Mit ihrem aktuellen Informationsangebot erreicht die Stiftung nun spürbar mehr Menschen.

Foto © Schnuppe von Gwinner
Besonders gelungen erscheint das zur IHM 2026 erstmals herausgegebene Danner-Magazin, dessen Gestaltung eine größere Emotionalität schafft als der bisherige nüchterne Tätigkeitsbericht. So erreicht es auch breitere Kreise, denn es ist cool gemacht und enthält eine Fülle an interessanten Beiträgen, die eindrucksvoll die Bandbreite und Philosophie des Engagements der Danner-Stiftung widerspiegelt. In unregelmäßigem Rhythmus soll das Magazin im Kontext größerer Ereignisse, zu bestimmten Themen der Stiftung und des Kunsthandwerks, erscheinen. Natürlich „for free“, sehr generös!
In der Folge nehmen die Anfragen zu, für die Förderung von Messeteilnahmen ebenso wie für die Fortbildungsförderung. Egal ob frei gewählt oder Teil eines festen Angebots, wie die fünf Stipendien am Bildwerk Frauenau für Personen, die gestalterisch mit Glas arbeiten und ihre künstlerischen Fähigkeiten weiterentwickeln möchten: Die Unterstützungsangebote der Stiftung gewinnen an Bekanntheit und treffen auf gesteigerte Resonanz.

Für 2026 gab es auch die Ausschreibung des Danner-Preises, der seit 1984 alle drei Jahre hochdotiert den Wettbewerb der Allerbesten bayerischer Handwerkskunst krönt. Mit höchstem Anspruch an die Expertise aller Beteiligten, Teilnehmer wie Jury, sowie an die Präsentation der Objekte (Isolde Bazlen) in einer Ausstellung und einem Katalog. Die Bewerberzahlen waren rückläufig, „man muss aber aus dem Vollen schöpfen können wenn man wirklich gute Objekte auszeichnen will,“ ist Markus Eder überzeugt. Also hat man die Regeln, über hundert Jahre nach der Stiftungsgründung, der Gegenwart angepasst: „Unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft sind Bewerber:innen zur Teilnahme berechtigt, die seit mindestens fünf Jahren ihren Wohn- und/oder Werkstattsitz in Bayern haben oder ihre Berufsausbildung in Bayern absolviert oder mehrere Jahre in Bayern gelebt oder gelehrt haben und in ihrem kunsthandwerklichen Schaffen weiterhin einen intensiven Bezug zu Bayern haben“. Die Stiftung hat erkannt, dass die Internationalität der in Bayern lernenden und lehrenden, lebenden und arbeitenden Kunsthandwerker:innen geradezu ein Booster für alle in diesem Bereich Tätigen sind. Sie alle gemeinsam tragen zu der außerordentlichen Qualität und Vielfalt in den angewandten Künsten bei. Mehr als 260 Bewerbungen um den Danner-Preis 2026 zeigen, wie richtig und wichtig diese Öffnung für den Wettbewerb ist.
„Auch die Förderung von Publikationen, wie die Kataloge zur Warwick Freeman (Neuseeland) oder Sigurd Bronger (Norwegen) Schau in der Neuen Sammlung oder, ganz aktuell, des Buches zur Ausstellung „Among Friends: American and German Jewelry Artists from the Helen Williams Drutt Collection“ lassen Spitzenkunsthandwerk in Bayern sichtbar werden, für die Community und über sie hinaus. Solche internationalen Auftritte zahlen auch auf das Bayerische Kunsthandwerk ein,“ ist sich Markus Eder sicher.

Über den Besuch der hochbetagten Grande Dame der internationalen Schmuckkunst, Helen Williams Drutt, 2026 anlässlich ihrer Ausstellung in der Galerie Handwerk, gerät er ins Schwärmen: „ sie spielt eine zentrale Rolle für den internationalen zeitgenössischen Schmuck, als Galeristin, Sammlerin, Expertin und – modern gesagt – inspirierende Influencerin ist Helen ein Kristallisationspunkt der gesamten Szene, sie verbreitet internationales Flair, vermittelt amerikanisches Schmuckdesign mit ihrer qualitätvollen Sammlung, ein wertvoller Einblick in eine andere Tradition.“

Über die Schmuckkunst kam es zur persönlichen Freundschaft mit Hermann Jünger und Claus Bury und zu vielfachen Reisen nach Deutschland, heute ist sie das Zentrum eines einzigartigen Netzwerkes künstlerischer Freundschaften, das nationale Grenzen und sogar historisch dunkle Zeiten überwindet. „Ihre tolle Geschichte und Persönlichkeit ist, auch unabhängig von den konkreten Objekten, von Interesse und generiert eine allgemeine Aufmerksamkeit für Kunst und Kunsthandwerk, die ich fördern will.“

Durch eine Anregung von außen kam es zur Realisierung der „Danner-Expo“ als einer weiteren Sonderschau auf der IHM 2026. Sie tritt in einem neuen Gewand in die Fußstapfen der 2019 aus finanziellen Gründen eingestellten „Meister der Moderne“ Schau und wurde auch von deren früheren Kurator Wolfgang Lösche als würdige Nachfolgerin erkannt. Markus Eder ist stolz darauf, damit für Spitzenobjekte in Keramik, Glas und Metall ein Forum geschaffen zu haben, das sich als erlesener Diskurs in einer wunderbaren Standarchitektur aus hellem Eschenholz von Hubert und Matthias Sanktjohanser präsentiert – in einer ausgewogenen Balance zwischen Präsenz der Objekte und Ausformulierung des Raumes.

Viele Besucher sehen das bemerkenswerte Niveau der Sonderschauen, auch der Danner-Expo, in einer gravierenden Diskrepanz zum aktuellen kommerziellen Angebot in der Messehalle und beklagen diese Entwicklung. Markus Eder begreift das als Herausforderung: „Ich sehe die Notwendigkeit für eine insgesamte Aufwertung und neuen Schwung für die Messe. Daher brauchen wir neue Impulse. Die SCHMUCKmünchen holt die ganze Welt zusammen!“ Markus Eder sieht in der Expo den Versuch, diesen Erfolg auch auf die anderen Gewerke auszudehnen, auch die kommerziellen Angebote der Messeteilnehmer aufzuwerten. Besonders qualifizierte Sonderschauen schaffen neue, gute Bilder und ziehen andere nach. Die Szene weiß das zu schätzen, doch die Sammler und Kunden müssen auch davon erfahren.

„Was kann da noch kommen?“
Markus Eder lacht.
Ihm gehen die Ideen noch lange nicht aus: „Gerade angesichts der schlechten Lage öffentlicher Kassen kann man als Stiftung viel Gutes bewirken“ meint er und verweist auf erste Engagements zur punktuellen Förderung von Ausstellungen. Das Thema der Internationalisierung möchte er betreiben und ausweiten, „nicht nur Leute hierher holen sondern auch ins Ausland schicken“. Erste Kontakte zu den französischen Ateliers d’Art wurden bereits geknüpft und Stéphane Galerneau, deren aktueller Vorsitzender, im vergangenen Jahr in München empfangen. Auch der Gegenbesuch auf dem Salon „Révélations“ im Pariser Grand Palais hat stattgefunden, um Anregungen zu sammeln und Möglichkeiten für eine Beteiligung 2027 auszuloten. Auch ein Mentorenprogramm schwebt Markus Eder vor …
Sein zukunftsgerichtetes Engagement für die angewandte Kunst und das Kunsthandwerk wird Markus Eder über das Ende seiner Beamtenkarriere hinaus beibehalten – so ist es geplant. Für wie lange ist ungewiss: „Was man anfängt möchte man gerne ins Ziel führen, aber es ist dann auch gut, wenn Jüngere drankommen und auch wichtig, dass die Verbindung zum Ministerium bleibt.“ Mit seinem längerfristigen Engagement wird sich die Danner-Stiftung auch in herausfordernden Zeiten und mit vollem Einsatz für das Kunsthandwerk und seine kulturelle wie gesellschaftliche Relevanz einsetzen.
© Schnuppe von Gwinner
> Das Danner-Magazin ist direkt über die Geschäftsstelle der Danner-Stiftung erhältlich
