Die Ausstellung „Spuren legen. Mit Materialität erzählen“ präsentiert neun Künstler*innen, die Material als Träger von Botschaften verstehen. Indem sie Materialien ihren gewohnten Kontexten entziehen, machen sie sichtbar, in welchem Verhältnis diese zum Menschen stehen und welche gesellschaftlichen Strukturen sie spiegeln. Die Künstler*innen wenden sich dem Unscheinbarem zu, das dennoch von Bedeutung ist, machen verborgene Spuren sichtbar und zeigen, was unsere Lebenswelten prägt. Ihr Schmuck steht für Wertvorstellungen, Herkunft oder formuliert Kritik.

Reitgebiss, Schweifhaar, Foto: Nadine Anklam
Die von ihnen verwendeten Materialien lassen immer wieder Fragen nach Hierarchien und politischen Verhältnissen aufkommen. Modeschmuck ist nicht nur ein günstiges Accessoire, sondern erzählt davon, wie Schmuck für breite Bevölkerungsschichten zugänglich wurde. Elektroschrott ist nicht nur Industriemüll, sondern regt dazu an, über Konsum, Ressourcen und Vergänglichkeit nachzudenken. Barbiepferde wecken Erinnerungen an die Kindheit und zeugen von einem geschlechterspezifischen Marketing, dessen Auswirkungen wir alle spüren.

Jede Materialität trägt Spuren von Geschichte in sich, deren Bedeutungen historischem, kulturellem oder ökonomischem Wandel unterliegen und sich verändern können.
Die ausgestellten Arbeiten eröffnen Reflexionsräume, in denen nachvollziehbar wird, wie wir Spuren hinterlassen und zugleich selbst von ihnen geprägt werden.
So verweist die Ausstellung „Spuren legen. Mit Materialität erzählen“ gleichermaßen auf die Entwicklungen, die im immateriellen Kulturerbe des Gold- und Silberschmiedehandwerks geschehen. Schmuck als künstlerische Disziplin und Ausdrucksform steht unter stetiger Erweiterung von Technik- und Materialdenken. Er muss nicht nur aus edlen Materialien und mittels traditioneller Handwerkstechniken gefertigt werden. Diese Ausstellung lädt dazu ein, unter die Oberflächen zu schauen, über Nachhaltigkeit und Vergänglichkeit nachzudenken, über vermeintlich starre Kategorien von Wertsystemen und den Blick auf das eigene dingliche Umfeld zu schärfen. (Pressetext)

Muscheln, Operationsstahl, Foto: Corrina Goutos
Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von neun Künstler*innen:
Nadine Anklam, Conversation Piece (Beatrice Brovia & Nicolas Cheng), Corrina Goutos, Mari Iwamoto, Suska Mackert , Yumiko Matsunaga, Chequita Nahar und Petra Zimmermann.
Deutsches Goldschmiedehaus Hanau
Altstädter Markt 6 , 63450 Hanau
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11:00 – 17:00 Uhr, Montag geschlossen
Zur Ausstellung erscheint ein künstlerisch gestaltetes Heft (DE/ENG) mit einem Text von Sophia Eisenhut.
Sophia Eisenhut (* 1995 in Regensburg, DE) ist eine Autorin, die sich mit der Materialität von Schrift beschäftigt. Bücher und Texte von ihr erschienen zuletzt im Matthes & Seitz- und im Merve Verlag. Das Heft kann für 12 Euro im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau erworben werden.
