Nun ist die 3.Ausgabe der Ceramic Brüssel mit nahezu 20.000 Besuchern in fünf Tagen zu Ende gegangen. 70 Galerien und Institutionen stellten rund 200 Künstler aus 30 Ländern vor. Hinzu kamen 20 Einzelausstellungen.
Natürlich wurden auch wertvolle Preise vergeben, die allerdings weniger großartige Preisgelder beinhalten als echte Förderung der Künstler in ihrem Metier. Residenzen, Publikationen und Ausstellungen schaffen großartige Gelegenheit sich zu profilieren, ein wertvolles internationales Netzwerk zu schmieden und eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Das ist auf’s Ganze gesehen eine wesentlich nachhaltigere Förderung als die einmalige Auszahlung eines Geldpreises – es sei denn er umfasst wirklich eine relevante Summe.
Die Preisträger*innen möchte ich hier gerne vorstellen:

Marie Pic gewinnt den Keramik-Preis der Jury 2026. Sie wurde aus einer Gruppe von 10 Keramikkünstlern ausgewählt, die in einer vorab Auswahl ihre Werke auf der Messe zeigten. Sie wird im Jahr 2027 Ihre Werke in einer Einzelausstellung auf der Ceramic Brüssel 2027 vorstellen dürfen.

Marie Pic schloss 2021 ihr Studium an der École Nationale Supérieure d’Art et de Design in Limoges mit einem DNSEP in Kunst mit Schwerpunkt Keramik ab. Seit 2024 ist sie Residentin in den Ateliers CAP Saint-Fons und beschäftigt sich mit den Begriffen des Übergangs und der Schwelle anhand skulpturaler Formen, die Architektur und Pflanzenwelt miteinander verbinden. Vom Jugendstil oder von Schmuckstücken aus dem 17. Jahrhundert inspirierte Türen und Tore mit Flachreliefs verbindet sie in formaler Strenge mit organischen Motiven, wobei Ornamente zur Struktur werden.

Zusätzlich wurde Marie Pic mit einem der beiden Residenzpreise YXCCCA (cn)
ausgezeichnet, der sie nach China einladen wird. Die Creative & Cultural Ceramic Avenue (CCCA) befindet sich in Yixing, dem Geburtsort des chinesischen Purpurton, und ist ein Zentrum, das sich der Keramikkunst und der Erhaltung traditioneller Handwerkskunst widmet. In Zusammenarbeit mit der International Academy of Ceramics bietet sie Künstlern einen Raum für Forschung und Experimente innerhalb eines einzigartigen kulturellen Erbes. Im Jahr 2026 werden zwei Künstler für einen dreimonatigen Aufenthalt mit kostenloser Unterkunft, Zugang zu Ateliers, Materialien und Brennöfen aufgenommen. Jeder Resident erhält ein Stipendium in Höhe von 15.000 RMB sowie ein One-Way-Flugticket. Eine Auswahl der entstandenen Werke kann präsentiert oder in die Sammlung des UCCA Clay Museum aufgenommen werden. Der Aufenthalt umfasst auch künstlerische Unterstützung und Möglichkeiten zum Austausch mit Keramikfachleuten und Handwerkern.

Ninon Hivert ist die weitere glückliche Gewinnerin dieses Residenz-Preises. Ninon schloss 2017 ihr Studium an der École Supérieure des Beaux-Arts in Montpellier und 2021 an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris ab. Sie fängt wie eine Archäologin das Anonyme, Alltägliche ein und sammelt das Urbane. Ihre Keramiken sind Abdrücke, plastische Übersetzungen vertrauter und generischer Formen: Kleidung, Accessoires, Alltagsgegenstände, immer nah am Körper. Sie nutzt Ton wegen seines mimetischen Potenzials, modelliert die Realität, indem sie sie nachbildet, wiederholt, in einer Zeitlichkeit, die der Malerei und Fotografie ähnelt, wo die Offenbarung auf eine Phase des Trocknens und Aushärtens folgt. Ihre Praxis ist eine der Transkription, in Serien, aber diesmal entschlossen manuell: von einem Objekt zum anderen, von einem Material zum anderen, von der Berührung zum Sehen, von der Erinnerung zur Geste.

Ninon Hivert ist auch die Gewinnerin des Preises der Ambassade de France en Belgique (be) 2026. Dieser ermöglicht ihr die Veröffentlichung einer Monografie über ihr Werk, die von der französischen Botschaft in Brüssel unterstützt und in Zusammenarbeit mit Les Éditions des Ateliers d’Art de France herausgegeben wird.

Darüber hinaus wurde Ninon Hivert auch der Preis des Centre Wallonie-Bruxelles | Paris 2026 zugesprochen. Die mit dem Preis des Centre ausgezeichnete Künstlerin profitiert von der Präsentation eines ihrer Werke im Rahmen einer vom Zentrum in der Saison 2027 organisierten Gruppenausstellung. Das Centre hat sich um Ziel gesetzt, die Werke von Künstlern aus der Fédération Wallonie-Bruxelles im Dialog mit der internationalen Szene zu verbreiten und zu fördern.

Auch Danny Cremers ist der Gewinner von zwei Auszeichnungen. Zum einen des Residenzprogramms Les Ateliers dans la Forêt (fr). Dies ist eine neue Künstlerresidenz in Frankreich, im Herzen des Waldes von Orléans in der Region Loiret. Ein Raum für gemeinsames Schaffen mit Schwerpunkt auf der Natur, um zu forschen, sich auszutauschen, den Blickwinkel zu wechseln und sich von einem großen Park inspirieren zu lassen, der von 10 Hektar Wald umgeben ist. Es ist ein Raum für den Dialog zwischen verschiedenen Fertigkeiten (Keramik, Malerei, Kochen, Design, Schreiben usw.). Der Künstler profitiert hier von einem zweimonatigen Forschungs- und Schaffensaufenthalt.

Danny Cremers erhält darüber hinaus, als Gewinner des Preises des Lettischen Zentrums für zeitgenössische Keramiken, einen dreiwöchigen Aufenthalt in Lettland, der in Zusammenarbeit mit dem Daugavpils Mark Rothko Museum organisiert wird. Der Aufenthalt findet zwischen April und Mai (26. April bis 7. Mai 2026 oder 2027, nach Absprache mit dem Künstler) statt und umfasst Unterkunft, Verpflegung und Materialien.
Sie endet mit einer Ausstellung im Rothko Museum, die dem Künstler eine einzigartige Gelegenheit bietet, sich international zu präsentieren.

Danny Cremers arbeitet mit handgefertigtem Porzellan. Er hat an der Central Saint Martins Modedesign studiert und erforscht klassische Formen durch subtile Ungleichgewichte und Unvollkommenheiten. Seine Vasen strahlen eine stille Spannung zwischen Freiheit und Kontrolle aus, mit strukturierten Oberflächen und locker konstruierten Formen. Angezogen von der Energie des Skizzierens – offen, intuitiv, ohne Rücksicht auf Endgültigkeit – versucht er, diese Unmittelbarkeit in jedem seiner fertigen Stücke einzufangen.

Schliesslich wurde noch Walter Yu als Gewinner des Keramis Residenzprogramms 2026 ausgezeichnet. Keramis ist ein Museum und Raum für Kunst und Kreativität, das sich der Keramik widmet. Es wurde auf dem Gelände der ehemaligen Fayencefabrik Boch in La Louvière errichtet. Seine kühne, zeitgenössische Architektur umfasst ein altes denkmalgeschütztes Gebäude, in dem sich drei riesige Flaschenöfen befinden, die letzten ihrer Art in Belgien.

Der Künstler erhält im Juli 2026 einen 30-tägigen Aufenthalt in der Keramis-Residenz. Er/sie erhält 2.000 € und ein Budget von 500 € für die Miete des Brennofens. Er/sie profitiert von einem Forschungsaufenthalt (ohne Verpflichtung zur Rückgabe oder Veröffentlichung) Walter Yu wurde in China geboren und studierte in Peking und Berlin. Er studierte deutsche Literatur an der Beijing Foreign Studies University, bevor er den Titel eines Meisterschülers an der Universität der Künste Berlin erwarb.

Seine Arbeiten wurden in ganz China und Europa ausgestellt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Yu erforscht die poetische Schnittstelle zwischen klassischer ostasiatischer Ästhetik und zeitgenössischem visuellem Storytelling. Mit seinem Hintergrund in der Malerei erweitert Yu seine Praxis auf Keramik und Skulptur und schafft Formen, die sowohl mit Rollbildmalerei als auch mit architektonischem Raum in Resonanz stehen. Seine sich ständig weiterentwickelnden Glasurtechniken versuchen, einen Dialog zwischen Ton und Oberfläche, zwischen Taktilem und Bildhaftem herzustellen und eine bildliche Sensibilität hervorzurufen, die die Grenzen zwischen den Medien in Frage stellt.
> Hier kann man noch einen Blick in den Katalog der Ceramic 2026 werfen!
