Wie wird aus geschnittenem Papier grafisches Design? Wo inspiriert Natur die Gestaltung? In der Ausstellung „Schere–Stil–Papier“ reagieren drei Jahrgänge Grafikdesign am Lette Verein Berlin auf historische Scherenschnitte von Johanna Beckmann (1868–1941) aus den Museumssammlungen der Kunstbibliothek. Im Zentrum stehen Pflanzenbilder: Sie erkunden die Schnittstelle zwischen Botanik und Grafik, Naturform und Abstraktion.

Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz
Vor 150 Jahren wurde mit Gründung der Setzerinnenschule am Lette Verein Berlin der Grundstein für die Abteilung Grafikdesign gelegt. Der Lette Verein war damals eine der wenigen Schulen, an denen sich Frauen in gestalterischen Berufen ausbilden konnten. Zu ihnen gehörte Johanna Beckmann. Sie hatte zuvor bereits an der Unterrichtsanstalt der Berliner Kunstgewerbeschule gelernt, aus der später die heutige Kunstbibliothek hervorging. Beckmann wurde als Scherenschnittkünstlerin, Porzellan-malerin und Autorin bekannt. Mehr als 20 ihrer Naturschnitte – zart-lineare Zweige, Blüten und Ähren mit feiner Jugendstil-Note – haben sich in der Sammlung der Kunstbibliothek erhalten. Beckmanns Kunst, belebt von der Inspirationskraft und Magie der Natur, ist geprägt von klaren Formen, starken Kontrasten und viel Fantasie.

Foto: Mateja Dragicevic
In seiner Reduktion auf Positiv und Negativ schafft der Scherenschnitt kontrastreiche Formen, die in Naturmotiven besonders anschaulich werden. Mit den Lettegrafik-Exponaten lotet die Ausstellung dieses ästhetische Prinzip in einer Vielfalt grafischer Medien sowie analoger und digitaler Techniken aus – von Siebdruck, Cyanotypie, Typografie und Illustration bis hin zu Buchgestaltung und Bewegtbild. Sie zeigt, wie in der botanischen Begegnung von Schnitt und Linie, Farbe und Fläche, Material und Schatten, Verdichtung und Detail eine ganz eigene visuelle Sprache entsteht.
Alle zeitgenössischen Exponate, das Corporate Design und die Ausstellungsgestaltung entstanden im Ausbildungsgang Grafikdesign des Lette Vereins Berlin. Die rund 60 historischen Scherenschnitte und Bücher – von Johanna Beckmann sowie ihren Vorläufern im 18. und 19. Jahrhundert – stammen aus der Sammlung der Kunstbibliothek.
Kulturforum Berlin, Kunstbibliothek
Johanna und Eduard Arnhold Platz / Matthäikirchplatz / 10785 Berlin
Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr
