Mit der Reihe bemerkenswerter Contemporary Craft Ausstellungen würdigte das MKG in Hamburg in den vergangenen Jahren bereits drei wunderbare Künstlerinnen mit eindrucksvollen Präsentationen: Die koreanische Keramikerin Young-Jae Lee beeindruckte 2022/23 mit ihren Gefässen und Installationen als Auftakt. Die Hallenser Künstlerin Margit Jäschke führte die Besucher 2023/24 inspirierend entlang der Grenzen von Schmuck, Installation, Malerei und Skulptur. Die norwegische Textilkünstlerin Hanne Friis begeisterte 2024/25 mit ihren raumgreifenden Textilinstallationen. Nun folgt erstmalig ein Künstler – der Drechsler Ernst Gamperl – dessen Werk in diesem Jahr schon an vielen verschiedenen Orten in Deutschland und England mit opulenten Schauen gewürdigt wurde. Sein „Lebensbaumprojekt“ war diesen Sommer bis Anfang Oktober bereits im Bayerisches Nationalmuseum München zu sehen, jetzt als vierte Contemporary Craft Ausstellung des Museums für Kunst & Gewerbe in Hamburg.
Zu allen vier Künstler/innen finden sie übrigens bei arnoldsche Art Publishers verlegte, wunderbar gehaltvolle und gestaltete Publikationen.
Das zeitgenössische Kunsthandwerk soll auch zukünftig ein wichtiger programmatischer Bestandteil am MK&G bleiben. Auch nach der Aufgabe der mkg messe wird unabhängig davon die Ausstellungsreihe „Contemporary Craft“ konzeptionell weiter entwickelt. Ziel ist es, die Ausstellungsreihe ab 2027 – im 150. Jubiläumsjahr des MK&G – in erweiterter Form als Gruppenausstellung mit Preisverleihung zu präsentieren und einen zeitgemäßen Dialog über Kunsthandwerk und Design zu schaffen. 2026 bleibt die Reihe in bewährter Form mit einer Einzelausstellung bestehen:
Das „Lebensbaumprojekt“ des Künstlers Ernst Gamperl umfasst rund 100 Holzobjekte – skulpturale Gefäße in unterschiedlichen Formen und Größen – die aus einer 230 Jahre alten Eiche gestaltet wurden. Die Werkserie ist das Ergebnis einer jahrelangen Auseinandersetzung mit Material und Form. Bereits zu Beginn seiner Laufbahn entwickelte Ernst Gamperl eine ganz eigene künstlerische Sprache – jenseits gängiger Regeln und Konventionen. Die historische Technik des Drechselns hat er radikal erneuert und in die Gegenwart geführt. Vom 22. November 2025 bis 26. April 2026 präsentiert das MK&G die Arbeiten des Holzgestalters in der Ausstellungsreihe „Contemporary Craft“, die zeitgenössische Positionen im Kunsthandwerk vorstellt.

Der alte Eichenstamm, der 2008 bei einem Sturm im bayerischen Rott am Inn entwurzelt wurde, diente Gamperl als Ausgangspunkt für das umfassende, zehn Jahre währende Kunstprojekt. Für die Bearbeitung des gewaltigen, rund 33 Tonnen schweren Baumes erweiterte er seine Werkstatt und konstruierte neue Drehmaschinen. Seine Arbeit versteht Ernst Gamperl als einen „leisen, forschenden Austausch mit dem Baum“. Mit eigens entwickelten Werkzeugen lotet er dabei die Grenzen des Werkstoffs aus und bezieht beispielsweise den natürlichen Trocknungsprozess des Holzes sowie Unregelmäßigkeiten, Risse und Bruchstellen des Materials bewusst ein. Die Urkraft des Materials spiegelt sich in den archaischen, geradezu monumentalen Formen, die durch ihre dünnwandigen Körper gleichzeitig filigran wirken.
Die weitere Bearbeitung der Oberflächen – zum Beispiel mit Kalk und Eisenoxid – entsteht eine besondere Textur, die jedem Stück einen individuellen Charakter verleiht.
Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg
Steintorplatz, 20099 Hamburg
Öffnungszeiten: DI – SO 10 – 18 Uhr; DONNERSTAG 10 – 21 Uhr; DONNERSTAG AN FEIERTAGEN
10 – 18 Uhr; Letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.



