Gertraud Möhwald: „Bildhauer will ich unbedingt werden“

Renate Luckner-Bien, nach einem Design- und Ästhetik Studium promoviert,  war seit 1973 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle erst in Forschung und Lehre, dann von 1993 bis 2014 als Pressesprecherin der Burg tätig. Seither hat sie als freie Kuratorin und Autorin ein waches, bewahrendes Auge auf die Geschichte  dieser so aussergewöhnlichen, ja legendären Hochschule und die sie prägenden  Menschen.

Mit ihrer aktuellen Biographie über die international renommierte Künstlerin Gertraud Möhwald, die sie selbst auch persönlich kannte und verehrte, ist ihr ein ausserordentlich berührendes und persönliches Werk gelungen. Renate Luckner-Bien bezeichnet sich selbst lediglich als „Herausgeberin“ dieses Buches, für dessen Recherche und Materialsammlung sie drei Jahre bis zur Fertigstellung brauchte.

Gertraud Möhwald: Kopf mit buntem Haarschmuck, 1993

Wer ist diese Bildhauerin mit der beeindruckenden Fähigkeit zu kritischer Selbst- und Weltbeobachtung? Wer ist diese Frau, die um Raum und Zeit für die eigene künstlerische Arbeit ringt und zugleich versucht, ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter gerecht zu werden? Wer ist diese Keramikerin, die selbst widrigen Umständen Positives abzugewinnen weiß?

Renate Luckner-Bien stellt Gertraud Möhwald  durch ihre eigenen Texte für Ausstellungskataloge, Zeitungsinterviews oder Briefe an Freunde, Familie, Kolleginnen oder Kollegen ins Zentrum des Interesses. Sie lässt die Künstlerin selbst zu Wort kommen und schafft damit eine unglaublich authentische Konnotation. Renate Luckner-Bien begleitet die Worte der Künstlerin lediglich mit sparsamen doch aufschlussreichen Erläuterungen zum Kontext, zu den speziellen Situationen und Hintergründen. Die feinsinnige, grafische Gestaltung von Friedrich Lux, Halle, führt intuitiv nachvollziehbar durch das Labyrinth der Inhalte, in die man sich als LeserInn getrost vertiefen mag, gebannt von der unprätentiösen und gleichzeitig starken Persönlichkeit von Gertraud Möhwald und geleitet von der Chronologie der Bilder des  begleitenden Werkkataloges ihrer Arbeiten. Das Nebeneinander von ihren subjektiven Äusserungen, dem objektiven Zusammenhang und ihrem jeweils aktuellen Werk sorgt für eine mitreissende Intensität.

Alles zusammen wird zu einem Ausflug in den Lebens- und Schaffenskosmos der Künstlerin und beliebten Burg-Lehrerin Gertraud Möhwald, die mit ihrem eigenständigen Oeuvre  die traditionelle Gefäß-Keramik revolutionierte, bis sie schließlich nur noch figürliche Objekte schuf. Ihre Auffassung der Realität – von Mensch – Figur – Kopf – Fragment steht im Zentrum ihrer Arbeiten,  deren Höhepunkte eigenwillige Collagen aus verschiedenen Tonsorten, Porzellan und Scherben markieren.

Renate Luckner-Biens Buch über Gertraud Möhwald, die, 1929 in Dresden geboren bis zu ihrem Tod 2002 in Halle gelebt hat, ist mehr als eine reine Künstler-Biografie.  Es beschreibt auch ein Stück deutsch-deutsche Geschichte, ein Künstlerleben in der DDR, bebildert durch ihre Werke aber auch mit Fotos ihrer Familie, ihrer Ateliers und Ausstellungen.

© Schnuppe von Gwinner

Gertraud Möhwald: „Bildhauer will ich unbedingt werden“
Renate Luckner-Bien (Hg.)
mit vielen Fotos und Abbildungen
Verlag: arnoldsche Art Publishers 2025
Hardcover, 256 Seiten, 34 Euro
ISBN 978-3-89790-751-5

Das Buch wurde von der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

TERMINE der Lesungen:

Vortrag und Lesung mit Kunstwissenschaftlerin Renate Luckner-Bien und Sprechwissenschaftlerin Alena Fürnberg

16.10.2025 um 18.30 Uhr

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle (Saale)
22.11.2025 um 16 Uhr
Johannisplatz 5–11, 04103 Leipzig