Staatspreis MANUFACTUM NRW 2025 & die Preisträger: Dortmund vom 22.06. bis 21.09.2025

Bis Ende Februar diesen Jahres konnten sich Kreativschaffende in Handwerk, Kunst und Design aus NRW für die diesjährige Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund und die damit verbundene Vergabe der Staatspreise bewerben. In den Themenbereichen Bild- & Druckmedien, Kleidung & Textil, Möbel, Objekt & Skulptur, Schmuck oder Wohnen & Außenbereich wurden insgesamt über 350 Objekte eingereicht, aus denen 122 herausragende Exponate von einer Jury für die Ausstellung MANUFACTUM vom 22. Juni bis zum 21. September 2025 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund ausgesucht wurden.

Seit 1963 vergibt die nordrhein-westfälische Landesregierung alle zwei Jahre den »Staatspreis für das Kunsthandwerk« an gestaltende Handwerkerinnen und Handwerker aus Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2023 wurde dieser umbenannt in »Staatspreis für angewandte Kunst und Design im Handwerk«. Er ist einer der traditionsreichsten und mit insgesamt 60.000 Euro Preisgeld einer der bedeutendsten Preise seiner Art in Deutschland. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen stiftet den Staatspreis, um herausragende Leistungen in diesem Bereich zu würdigen und auszuzeichnen. Die Schirmherrschaft durch den Ministerpräsidenten Hendrik Wüst unterstreicht die Bedeutung des Staatspreises zusätzlich.

Diese sehr besondere Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen hat Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin des Landes Nordrhein- Westfalen, am Samstag, den 21. Juni, im Rathaus der Stadt Dortmund an insgesamt sechs herausragende Leistungen für handwerkliche Kunst und Design verliehen. In ihrer Laudatio würdigte sie die Perfektion, die gestalterische Präzision und den innovativen Charakter der Arbeiten.

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Staatspreises MANUFACTUM NRW 2025 sind:

Julian Braun: Dunkel war’s | Foto: Andrea Borowski

Julian Braun aus Köln in der Kategorie Bild- & Druckmedien

DUNKEL WAR’S – Die Arbeit besteht aus einer im Buchbindehandwerk gebauten und mit Buchbindeleinen bezogenen Grafikmappe zur Aufbewahrung der innenliegenden, im Sieb- und Hochdruckverfahren hergestellten Originaldruckgrafiken.

Julian Braun: Dunkel war’s, Detail | Foto: Andrea Borowski

In der Mappe befinden sich die Textabschnitte zum Gedicht »Dunkel war‘s, der Mond schien helle« in 15 Einzelblättern, eine weitere Fassung in Heftform sowie die originale, geschnittene Linoldruckplatte des Titelblattes.

Die Jury überzeugte vor allem der experimentelle, textbezogene Umgang mit Schrift und die Komposition der einzelnen Blätter in ihrer typografischen Vielfalt. Die als »Typografiken« bezeichneten Drucke machen den hohen Stellenwert von Schriftgestaltung in dieser Arbeit qualitativ und gestalterisch sensibel erfahrbar. Durch den intensiven, analogen Entstehungsprozess jedes einzelnen Blattes intensiviert sich die Auseinandersetzung mit dem Geschriebenen. Durch die beigefügte Druckplatte wird der Prozess für Betrachtende nachvollziehbar.

Gabi Mett, B 51°23 ́19.123 ́ ́ L7° 0 ́57.843 ́ ́ | Foto: Andrea Borowski

Gabi Mett aus Essen in der Kategorie Kleidung & Textil

Die Arbeit »B 51°23 ́19.123 ́ ́ L7° 0 ́57.843 ́ ́« besticht durch die Symbiose von Bildmotiv, Material und handwerklicher Ausführung. Die Methode, regionale Erdpigmente mit Sojamilch nach altem japanischem Rezept zu binden, wurde von Gabi Mett in vielen Schritten weiterentwickelt, sodass sie licht- und waschecht ist und professionell eingesetzt werden kann.

Gabi Mett, B 51°23 ́19.123 ́ ́ L7° 0 ́57.843 ́ ́, Detail | Foto: Andrea Borowski

Die Landschaft, aus der die Erden stammen, dient als abstraktes Motiv. Auf subtile Weise wird mit Erdpigmenten auf feinem, mit Sojamilch präpariertem Baumwollgrund gemalt, gedruckt und abgeformt. Sehr feinsinnig reagiert Gabi Mett anschließend mit Stickerei und Applikation auf ihre eigene Pigmentmalerei mit Schraffuren, Linien und Konturen.
Die Arbeit überzeugte die Jury durch einen ebenso hohen Qualitätsanspruch an den künstlerischen Ausdruck wie an die handwerkliche Umsetzung unter besonderer Berücksichtigung der persönlichen Materialentwicklung.

Paul Vietz, FLECO II
Foto: Andrea Borowski

Paul Vietz aus Aachen in der Kategorie Möbel

»FLECO II« ist ein frei im Raum stehendes Regalmöbel, das auch als Raumteiler dienen kann. Es zeigt seine Konstruktion selbstbewusst. Die leimfreie Konstruktion kommt beim Aufbau ohne zusätzliche Verbindungsmittel und völlig werkzeugfrei aus. Senkrecht durch die Zargen gespannte Beine erzeugen eine verblüffende Stabilität. Durch eine ausgeklügelte Klemmverbindung halten sich Beine und Zargen. Die eingesteckten Quertraversen halten die Regalböden aus MDF in Position.

Paul Vietz, FLECO II
Foto: Andrea Borowski

Das ideal für diesen Zweck ausgewählte Holz Esche ermöglicht den Einsatz einer minimalen Materialstärke. Senkrechte und horizontale Linien strahlen Ruhe aus und bieten Raum für allerlei Dinge des Alltags.
Die Leichtigkeit der Konstruktion, eine sorgfältig abgestimmte Materialwahl und vor allem die innovative Verbindung dieses Regals überzeugten die Jury.

Anke Wolf, STILLLEBEN | Foto: Andrea Borowski

Anke Wolf aus Stolberg in der Kategorie Objekt & Skulptur

STILLLEBEN
Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit und der natürliche Alterungsprozess sind wesentliche Merkmale der dreiteiligen Glas-Objektserie »Fallobst-Äpfel«. Sie wurde in der alten pâte-de- verre-Technik gefertigt, die vor allem aus dem Jugendstil bekannt ist. Der Arbeitsprozess besteht aus mehreren Schritten. Nach dem Erstellen der Grundform wird diese mit einem Gemisch aus Gips, Quarzmehl und Schamott in drei bis vier Schichten abgegossen.

Anke Wolf, STILLLEBEN, Detail | Foto: Andrea Borowski

In der Abgussform wird das pâte-de-verre-Gekröse verteilt, verdichtet und nach der Trocknung bei 820 Grad Celsius gebrannt und langsam abgekühlt. Die gewünschte Fragilität, Farbigkeit und Löchrigkeit – um den Alterungsprozess durch diese spezielle Technik darzustellen – wird

durch die Materialauswahl besonders gut zum Ausdruck gebracht. Sie nimmt die Ästhetik des Verfalls auf und bewahrt die Schönheit des Vergänglichen.
Der Jury gefiel besonders die Verbundenheit von Materialauswahl und Motiv. Sie zeigt sich durch den eher ungewöhnlichen Wunsch des »Nicht-Berühren-Wollens« – weder faulendes Fallobst noch zerbrechliches Glas möchte man anfassen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Uta K. Becker, DUAL | Foto: Andrea Borowski

Uta K. Becker aus Hoffnungsthal in der Kategorie Wohnen & Außenbereich

Die Arbeit »DUAL« besteht aus zwei Gefäßen, die jeweils zwei verschiedene Funktionen vereinen. Die perfekt gebauten Gefäße greifen Dualitäten wie glasiert/unglasiert, rau/geglättet auf und spielen mit diesen Gegensätzen. Gefertigt in der Raku-Brenntechnik, bei der es zumeist um zufällige Brenn- und Farbeffekte geht, erreicht Uta K. Becker eine Perfektion,

Uta K. Becker, DUAL, Detail | Foto: Andrea Borowski

die es ihr erlaubt, gezielt durch eine starke Nachreduktion ein tiefes, metallisch schimmerndes Schwarz zu erzeugen, das im Gegensatz zu den weiß-grauen, glasierten Flächen steht. In der Reduktion von Form und Farbe entsteht eine Komposition von großer Klarheit, ein Spiel von Gegensätzen mit der Einladung, die Gefäße in unterschiedlicher Weise zueinander in Beziehung zu setzen. Die Jury beeindruckte besonders die souveräne Beherrschung der Raku-Brenntechnik sowie die formal perfekte Ausführung der keramischen Formen.

Zohair Zouirech, Ornament zwischen Hoffnung und Zerbrechen, Detail | Foto: Martin Schwan

Zohair Zouirech aus Düsseldorf in der Kategorie Objekt & Skulptur (Sonderpreis)

ORNAMENT ZWISCHEN HOFFNUNG UND VERBRECHEN
Ausgangspunkt der Arbeit von Zohair Zouirech ist das Ornament in der islamischen Kunst und die Auseinandersetzung mit der ornamentlosen Ästhetik Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Papier dient dabei als zentrales Medium. Präzise Faltungen und feine Einschnitte erzeugen ein vielschichtiges Spiel von Licht und Schatten. So gewinnt die Installation eine lebendige, räumliche Tiefe und wirkt zugleich fragil und kraftvoll. Die freistehende Struktur entfaltet sich als ein offener, inspirierender Raum – ein Ort der Begegnung und des Dialogs, groß genug, damit Menschen darin verweilen, sich bewegen und miteinander in Kontakt treten können.

Zohair Zouirech, Ornament zwischen Hoffnung und Zerbrechen, Detail | Foto: andrea Borowski

Die Jury überzeugte insbesondere die eindrucksvolle räumliche Wirkung, die durch das Falten und Einschneiden von Papier erzielt wurde. Das fein durchdachte Muster, sensibel entwickelt und sorgfältig ausgewählt, verleiht dem Werk eine stille Poesie. Aus dem scheinbar einfachen Material Papier und reduzierten geometrischen Formen entsteht ein architektonischer Raum – ein Möglichkeitsraum für Begegnung, für bewusstes Wahrnehmen der Umwelt, für ein inspiriertes Durchschreiten.

Um eine interessierte Öffentlichkeit aktiv in die Preisverleihung einzubinden, wird seit 2021 zusätzlich ein Publikumspreis ausgelobt. Die Besucherinnen und Besucher der MANUFACTUM-Ausstellung erhalten die Möglichkeit, für ihr »Lieblingsstück« zu stimmen und damit über den Publikumspreis mitzuentscheiden.

2025 organisiert der Westdeutsche Handwerkskammertag den Wettbewerb erstmalig für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Der WHKT ist die Dachorganisation der Handwerkskammern in NRW und versteht sich als Interessenvertreter dieser zum Wohl des Handwerks.

Hansastr. 3
44137 Dortmund
Öffnungszeiten: Mittwoch & Donnerstag bis