Die Inspirationsquelle für den Dekor „Jagdmalerei“ waren die Wälder in der Umgebung von Schloss Moritzburg bei Dresden. Das ehemalige Jagdschloss Augusts des Starken (1670–1733) ist heute als Drehort des Weihnachtsklassikers „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (1973) einem Millionenpublikum bekannt. 1969 war ein in einem der Türme des Schlosses ein Atelier für das Kollektiv Künstlerische Entwicklung der Manufaktur Meissen eingerichtet worden. Auf diese Weise entstand das mehr als 250 Teile umfassende Service „Großer Ausschnitt“ – das umfangreichste Meissener Serviceensemble des 20. Jahrhunderts.

Vervollständigt wird das Service durch Tafelaufsätze von Peter Strang, der Kleinplastiken mit unterschiedlichen Jagdszenen wie etwa Wildschweine im Dickicht modellierte. Der plastische Tafelschmuck stellt vor dem Hintergrund der sozialistischen Ideologie eine besondere Herausforderung dar, da es sich bei Kleinplastiken eigentlich um ausschließlich schmückendes, also funktionsloses Beiwerk handelt. Peter Strang umgeht diesen potentiellen Vorwurf allerdings, indem er die Figuren in Kerzenleuchter integriert. Auf diese Weise sind sie Schmuck und haben einen praktischen Nutzen.
Nach Entwürfen von Peter Strang und Ludwig Zepner entwickelte der VEB Meissner Bleikristall die passende Glasserien zur „Jagdmalerei“. Sogar Erich Honecker hat 1981 ein Speiseservice mit dem Dekor „Waldlaub“ und korrespondierende Kristallgläser bestellt. Die Gegenstände sollten zur Ausstattung eines „Sonderobjekts“ für hohe Staatsgäste dienen.
Porzellan und Kristall bringen den Weihnachtstisch im Hetjens zum Funkeln.
Das Service konnte mit Mitteln der Dr. Günter Lontzen-Stiftung erworben werden und steht chronologisch in einer Reihe mit den Servicen „Münchhausen“ und „Tausendundeine Nacht“.
Hetjens Deutsches Keramikmuseum
Schulst. 4, 40213 Düsseldorf
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 21 Uhr
