Wir durften das große Finale des Design Campus Dresden am 25.August 2023 in Pillnitz erleben!
Vom 20.07. bis 25.08.2023 fanden die Workshops in unmittelbarer Nähe der Ausstellung „The School of Phytocentred Design“ im Wasserpalais des Kunstgewerbemuseums in Pillnitz nahe Dresden statt. Vier Workshops wurden in diesen Wochen, jeweils für 9 Tage, zum Thema „Making the Difference“ angeboten.
„Als praxisorientierte Forschungs-und Entwicklungsplattform des Kunstgewerbemuseums in Schloss Pillnitz versteht sich der Design Campus als eine interdisziplinäre Denkwerkstatt und zukunftsorientiertes Labor.

Aktuelle Fragen zum gesellschaftlichen Wandel, der Digitalisierung oder der Klima- und anderen Krisen werden verhandelt. Gestaltung und Kreativität werden bei der Bewältigung der anstehenden lokalen und globalen Herausforderungen wichtige Schlüsselrollen beigemessen.
Ziel ist es im Dialog miteinander – mit internationalen Expert*innen, der Öffentlichkeit und mit dem Team des Museums – die heutige Rolle von Kunstgewerbemuseen auszuloten sowie die Wirkkraft von Design in Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Ökologie aufzuzeigen und zu stärken.
Eine wichtige Säule dieser Initiative ist eine Jährliche Sommerschule für Jungtalente, die in einwochigen Workshops durch Projektarbelten, Vorträge und Diskussionsrunden komplexe Fragestellungen bearbeitet.“
In paradiesischer Umgebung konnten die Kursteilnehmer die natürlichen Offerten des Parks und ihre Kreativität verschmelzen lassen. Am Ende durften alle kosten, staunen und feiern.

Den Workshop „Nesselmärchen weben/ Weaving nettle tales“ boten der österreichische Designer Philipp Kolmann und die niederländische Künstlerin Suzanne Bernhardt an. Mit ihrem beweglichen Lebensmittelstudio ERBA entfalten sie Geruchs- und Geschmackserzählungen rund um die Kultur der Süßgräser. Im Mittelpunkt der ERBA-Forschung stehen die Süßgras-Familie und die verschiedenen Gemeinschaften, die rund um den Globus ihre Nachhaltigkeit und ihr Wachstum auf Getreide gründen.
In den Wiesen und Gärten von Pillnitz erforschten sie mit der Workshopteilnehmern anhand von Nesselgewächsen die Grenzen der Kontrolle im Gegensatz zu symbiotischen Beziehungen. Wie können wir ein Gleichgewicht zwischen der Entnahme und der Rückgabe von Gesten an das Land und an den anderen finden? Wie können wir vom Besitzen zum Besitzen übergehen? Während des Kurses wurde dieses Gleichgewicht geübt, indem Tees für den Boden und die Teilnehmer selbst hergestellt wurden. Kontakte zu lokalen Gemeinschaftsgärten wurden geknüpft und Komposttees auf der Grundlage der Brennnessel erforscht, die traditionell in vielen ländlichen Haushalten Europas verwendet wird. Neben der Herstellung von Tees für das Land wurden Tees und Fermente gebraut, die unseren eigenen Körper nähren und auf Zutaten basieren, die in der näheren Umgebung gesammelt wurden. Die Zubereitung und der Austausch über diese Routinen der Pflege waren zentrale Elemente des Workshops.
d-o-t-s ist ein nomadisches Kuratorenbüro, das von Laura Drouet [FR] und Olivier Lacrouts [IT/FR] gegründet wurde. Die Untersuchungen des Duos konzentrieren sich auf die vielfältigen und fragwürdigen Beziehungen, die menschliche Gemeinschaften – durch Design – untereinander, mit anderen Tieren, Pflanzen und Landschaften herstellen. Die Arbeit von d-o-t-s, die sich durch einen partizipatorischen und interdisziplinären Ansatz auszeichnet, umfasst das Schreiben, die Gestaltung von Ausstellungen, praktische Workshops und Designaufträge. Sie kuratierten auch die aktuell im Pillnitzer Kunstgewerbemuseum gezeigte Wanderausstellung „Plant Fever „, die noch bis zum Saisonende am 31.10.2023 (jew. Dienstag bis Sonntags, 10 — 17 Uhr) zu sehen ist.

In ihrem Workshop Curating Change gehen sie der Frage nach, was es bedeutet, ein Designprojekt im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu kuratieren? Was sind die Verantwortlichkeiten als Kuratoren, Forscher und Designer? Wie können etablierte Annahmen in Frage gestellt und neue Erzählungen entwickelt werden, die über ein rein menschenzentriertes Verständnis der Welt hinausgehen? d-o-t-s schlägt vor, das Kuratieren als einen Akt der Fürsorge und des Aktivismus zu betrachten, als einen Prozess, durch den wir sinnvolle Weltanschauungen formen können, die alle Lebewesen berücksichtigen, und als ein Instrument, mit dem wir kritische Fragen aufwerfen und Themen im Zusammenhang mit den aktuellen ökologischen und sozialen Krisen vermitteln können.

Ausgangspunkt des Workshops waren eine Reihe von pflanzenbezogenen Werken aus der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und Pflanzen aus dem Botanischen Garten des Pillnitzer Parks. In Gesprächen mit Fachleuten vor Ort – Kuratoren des Museums, Gärtnern und Historikern – untersuchten die Workshopteilnehmer die Geschichten dieser Kunstwerke und Pflanzen und versuchten, sie vor dem Hintergrund zeitgenössischer Überlegungen wie der Objektivierung von Pflanzen und der Vorstellung von Pflanzen als intelligente und fühlende Wesen sowie der Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen zu dekonstruieren und neu zu gestalten.
Der erste Teil des Workshops war der Erschaffung neuer Artefakte gewidmet, die originelle Interpretationen der ursprünglichen Studienobjekte boten und die eine kritische Perspektive auf die Vergangenheit hinzufügten. In der zweiten Phase des Workshops ging es darum, gemeinsam einen Sinn für das Geschaffene und einen Weg zu finden, dieses am Ende des Kurses der Öffentlichkeit in einer Ausstellung zu präsentieren.

Beide Ergebnisse waren einerseits über aus kurzweilig aber auch Nachdenklichkeit stiftend – ich persönlich habe gestaunt, was man bei robuster Gesundheit alles essen und trinken kann und die Ausstellung näherte sich ihren Objekten auf 100% nachhaltigen Präsentationswegen ohne dass wir auf Popcorn zum Puschenkino oder einfühlsam inszeniertes Schattenballett natürlicher Fundstücke aus dem Park verzichten mussten: poetisch und humorvoll … und insgesamt ein sehr inspirierender Anstoß ernsthaft darüber nachzudenken wie wir generell mit der Natur umgehen und korrespondieren – da bleiben noch viele Möglichkeiten positiven Umdenkens und HANDELNS!
Die Ausstellungen sind noch bis zum 31.10.2023 im Wasserpalais Pillnitz zu sehen (jew. Dienstag bis Sonntags, 10 — 17 Uhr) – Park und Schloss versprechen darüber hinaus nur Begeisterung.
Schloss & Park Pillitz – August-Böckstiegel-Straße 2 – 01326 Dresden

