ALL HANDS ON – Flechten: Berlin bis 01.10.2022

Dolce&Gabbana Spring/Summer 2013 Women's Fashion Show, Look 83, Courtesy of Dolce&Gabbana – Foto: Monica Feudi

Flechten – eine Kulturtechnik, tausende Jahre alt, weltweit praktiziert, regional ausgeprägt und bis heute innovatives Handwerk im wahrsten Sinne des Worts: Nur der Mensch beherrscht die komplexe Flechttechnik, keine Maschine kann ihn bisher ersetzen. Die Ausstellung des Museums Europäischer Kulturen stellt die Faszination dieser Fertigkeit in den Mittelpunkt, zeigt Verflechtungen zwischen historisch gewachsenem Wissen und modernen Innovationen.

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Rückentragen: Kinderrückentragekorb, Deutschland, um 1970; Tragekorb, Genf, Schweiz, 1784; Deliveroo Rucksack, Berlin, Deutschland (Gebrauch), 2015 © Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Christian Krug

In den vier Ausstellungsbereichen MENSCH, SCHUTZ, MATERIAL und MUSTER können die Besucher*innen über 200 geflochtene Alltagsgegenstände aus ganz Europa aus der umfangreichen Sammlung des Museums Europäischer Kulturen sowie diverse Leihgaben entdecken. Verknüpft werden die vier Ausstellungskapitel mit zahlreichen interaktiven Stationen, die Groß und Klein für das immaterielle Kulturerbe begeistern und die Faszination für Handgemachtes buchstäblich „be–greifbar“ machen.

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Rucksack „Tarzan“ der Flechtwerkgestalterin Rosa Gies, Oberfranken, Bayern, 2020 © Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Christian Krug

ALL HANDS ON: Flechten“ porträtiert zeitgenössische und historische Flechter*innen. Die Ausstellung zeigt, wie geflochtene Gegenstände – etwa Körbe, Hüte oder Schuhe – Dinge beim Transport oder den Menschen vor Wind und Wetter schützen. Ein Korbstuhl aus der Passagierkabine des Zeppelins LZ 120 „Bodensee“ von 1919 unterstreicht, dass die genialen Eigenschaften von Geflochtenem – nämlich Stabilität, Leichtigkeit und Flexibilität – auch in der innovativen Luftfahrt gefragt waren. Ein ca. 3.000 Jahre altes umflochtenes Gefäß aus Ägypten beweist, dass Flechten eine Basiskulturtechnik ist. Und ein geflochtenes Kleid aus der Spring/Summer Fashion Show 2012 als Leihgabe von Dolce&Gabbana betont den Reiz von Geflochtenem bis heute – vor allem im zeitgenössischen Design sowie in der Haute Couture.
Wortwörtliche Brücken zwischen traditionellen Techniken und heutigen Innovationen schlagen die „Living Root Bridges“ aus Indien: Seit Jahrhunderten entstehen dort stabile Brücken aus verflochtenen Luftwurzeln des Gummibaums – eine Fertigkeit, die aktuell im innovativen Forschungsfeld der Baubotanik auch in Europa erforscht wird.

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Der geflochtene Garten, Olaf Holzapfel, 2022 © Jens Ziehe

Zudem werden in der Ausstellung verschiedene Flechtmaterialien erläutert, die von den Besucher*innen haptisch erfahren werden können. „ALL HANDS ON: Flechten“ weitet den Blick immer wieder auch über den europäischen Kontext hinaus: So wird beispielsweise die Tatsache thematisiert, dass Flechtmaterialien wie Sisal und Rattan ursprünglich vielfach als koloniale Rohstoffe nach Europa gelangten.

Im letzten Ausstellungsbereich kann anhand vielfältiger Exponate nachempfunden werden, wie mit großem Können und Geschick durch verschiedene Flechttechniken zahlreiche Muster entstehen. Was für das Auge als regemäßiges Muster erscheint, ist in Wahrheit jahrelange Erfahrung und oftmals sehr viel komplexer als auf den ersten Blick anzunehmen. (Pressetext)

Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 25
14195 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 10:00 – 17:00 | Samstag-Sonntag 11:00 – 18:00