Zart wie Eisen: Pforzheim bis 06.02.2022

In der Zeit vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war mit dem sogenannten Eisenschmuck eine besondere Art von Preziosen beliebt: kunstvoll und filigran wie Spitze, jedoch aus Eisen gegossene Colliers, Armbänder, Ohrgehänge und Broschen oder auch Ringe. Sein schlichtes Material, die klare Formensprache und der etwas spröde Charakter spiegeln die Werte der damaligen Gesellschaft: Beständigkeit, Bescheidenheit und Zurückhaltung. Dem Geschmack der Zeit entsprechend, finden sich Elemente aus der gotischen Architektur oder florale Ornamente aus der Antike wie Akanthus, Palmette und Weinblatt. Neben Berlin – woher die Bezeichnung »fer de Berlin« stammt – war Gleiwitz eine der wichtigen Gießereien.

01_Uhrenkette&Anstecknadel&PlaketeimEtui_BerlinerEisen_WKI_FotoWinfriedR...
Etui mit Anstecknadel und Plakette „Gold gab ich für Eisen“, Uhrenkette „Gold zur Wehr, Eisen zur Ehr“ sowie zwei Ringe im Originaletui – Koch, Frankfurt a.M./ Baden-Baden, 1914 ] 1916, Slg. Klaus-Peter und Judith Thomé | Foto Winfried Reinhardt

Anfangs handelte es sich bei Eisenschmuck in erster Linie um Trauerschmuck, und preußische Frauen trugen nach dem Tod ihrer Königin oft Luisenanhänger oder –broschen. Während der Befreiungskriege wurde das Tragen von Eisenschmuck immer mehr zu einer politischen Aussage oder patriotischen Mode, und er wurde »für die Rettung des Vaterlands« angelegt. Dies hatte seinen Ursprung in einem Appell der Prinzessin Marianne von Preußen im Jahr 1813, Goldschmuck gegen solchen aus Eisen einzutauschen. Patriotisch gesinnte Damen trugen eiserne Preziosen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

03_Collier_Berlin-Gleiwitz_um1820-30_FotoWinfriedReinhardt_kl-1
Halsschmuck, Eisen, Berlin/Gleiwitz, um 1820/30, Slg. Klaus-Peter und Judith Thomé | Foto Winfried Reinhardt

Sie gehören zum Feinsten, was je aus Eisen gefertigt wurde. Neben dem politischen Hintergrund war auch der Stand der technischen Entwicklung entscheidend für die Umsetzung, und die königlichen Gießereien verwendeten sehr phosphatreiches Eisen, damit es möglichst dünnflüssig wurde. Die Entwürfe für solch zartes Eisengeschmeide stammten unter anderem vom damaligen Hofbaumeister Karl Friedrich Schinkel. Auch englische und französische Gießereien ließen sich inspirieren, derlei Schmuck herzustellen. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs kamen Schmuckstücke mit der Aufschrift »Gold gab ich für Eisen« abermals in Mode.

Die rund 180 Exponate der Ausstellung stammen aus der Sammlung Klaus-Peter und Judith Thomé, die in den vergangenen 25 Jahren entstanden ist und nun als Schenkung in den Bestand des Schmuckmuseums Pforzheim eingeht. Nachdem die in den USA geborene Sammlerin schon seit den späten 1970er Jahren immer wieder alten Schmuck erworben hatte, ersteigerte sie 1995 erstmals einen Halsschmuck aus Berliner Eisen mit Medaillons. Davon war sie so fasziniert, dass sie weiter Eisenschmuck sammelte. Die Lust an Schmuck war schon in ihrer Kindheit, noch in Amerika, durch einen mit der Familie befreundeten Geologen geweckt worden.

Im Lauf der Ausstellung wird ein Katalog über die Sammlung erscheinen.

HIER geht’s zum Flyer zur Ausstellung!

Schmuckmuseum Pforzheim
Jahnstr. 42
75173 Pforzheim

Öffnungszeiten: Di-So+Feiertage 10:00-17:00 Uhr